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Kocan Kadar Konus
Kocan Kadar Konus
© Kinostar

Kritik: Kocan Kadar Konus (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Kocan Kadar Konuş" von Kıvanç Baruönü ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Şebnem Burcuoğlu. Der Regisseur und die Autorin haben gemeinsam das Drehbuch verfasst. Das entstandene Werk ist dem (Sub-)Genre der Liebeskomödie zuzuordnen – daher dürfte das Ziel der Handlung für alle Zuschauer_innen voraussehbar sein. Essenziell ist der Weg dorthin – also die Frage, wie der Hindernislauf zum Happy Ending geschrieben, inszeniert und gespielt ist. Und hier gibt es durchweg Positives zu vermelden.

Die typischen Zutaten einer Romantic Comedy werden in "Kocan Kadar Konuş" so gekonnt gemischt, dass der Film zu keiner Sekunde zur faden Routinekost wird, wie dies bei vergleichbaren Produktionen aus Deutschland oder den USA allzu oft der Fall ist. Das Spiel mit dem Figuren- und Motivinventar sowie den hinlänglich bekannten Erzählmustern des (Sub-)Genres wird mit sichtbarer Lust, mit reichlich Herz und Humor betrieben; Kıvanç Baruönü – der hier seine zweite Regiearbeit vorlegt – erweist sich als ein ambitionierter Gestalter komischer und romantischer Szenen.

Zu den visuellen Highlights zählen die Momente, in denen die Fantasien und Träume der Protagonistin Efsun in Bilder gefasst werden. Mal paddelt Efsun in einer überdimensionalen Teetasse umher (mithilfe eines Löffels, natürlich), mal schwebt sie in ihrem Bett über den Wolken und begegnet in einem märchenhaften Blumenparadies ihrem Jugendfreund Sinan, der auf einem lebensgroßen Origamipferd herbeigeritten kommt. Als später dann die Welt der Filmheldin in Schieflage gerät, wird dies inszenatorisch ganz wörtlich genommen.

Auch viele weitere Einfälle – etwa Efsuns imaginierte Gespräche mit ihrem Lieblingsschriftsteller (verkörpert von Muhammet Uzuner) oder ihre als Pop-up im Filmbild erscheinenden Gedanken – sind vergnüglich. Dass Efsun und Sinan in den kurzen Rückblenden in die Schulzeit der beiden nicht von jugendlichen Schauspielern, sondern ebenfalls von Ezgi Mola (32) und Murat Yıldırım (35) dargestellt werden, wirkt ein bisschen albern, lässt sich aber dadurch rechtfertigen, dass es sich bei diesen Flashbacks wohl eher um Efsuns subjektive Erinnerungen aus ihrer aktuellen Sicht handelt.

Efsun spricht häufig in die Kamera, um sich direkt an das Publikum zu wenden – was zwar gewiss keine neue Idee ist, aber dank der sympathischen Spielweise von Ezgi Mola ganz wunderbar funktioniert. Mola demonstriert in der Darbietung von Efsuns Erlebnissen viel Komiktalent. Zu besonders großer Form läuft sie auf, wenn Efsun gegen Ende überraschend eine tragikomische Gesangseinlage liefert. Zudem stimmt die Chemie zwischen Mola und ihrem Leinwandpartner Murat Yıldırım.

Obschon "Kocan Kadar Konuş" in erster Linie leicht und locker daherkommt und mit bewusster Überzeichnung arbeitet, werden im Laufe des Geschehens durchaus auch ernste Themen gestreift. Der Erwartungsdruck, dem sich die alleinstehende Efsun in ihrem Umfeld ausgesetzt sieht, wird spürbar gemacht. Und auch der Selfie-Wahn, von dem die Menschheit weltweit ergriffen ist, wird pointiert zur Anschauung gebracht.

Fazit: Kıvanç Baruönü gelingt es in seinem unterhaltsamen RomCom-Beitrag, vertraute Versatzstücke mit erstaunlicher Frische zu präsentieren. Überdies profitiert der Film von einer charismatischen Hauptdarstellerin.




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