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Rosi, Kurt und Koni (2015)

Dokumentarfilm aus Österreich: Die Filmemacherin Hanne Lassl begleitet drei funktionale Analphabeten durch ihren Alltag.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Rosi, Kurt und Koni sind drei Österreicher, deren Geschichten exemplarisch für die Erfahrungen vieler funktionaler Analphabeten stehen. Wegen ihrer stark eingeschränkten Lese- und Schreibkompetenzen sind sie auch als Erwachsene noch sehr von der Unterstützung anderer Menschen abhängig und haben zudem jeden Tag mit zahlreichen Hürden zu kämpfen. Der Hilfsarbeiter Koni scheitert etwa am Kauf eines Bahntickets – die Passantin, die er um Hilfe bittet, bedient den Automaten hingegen mühelos mit ein paar Handgriffen. Auch Rosi fällt ohne die Fähigkeit, Texte zu lesen und vollständig zu begreifen, vieles schwer, ihre Freundin Elfriede muss sich zum Beispiel um ihre Geldangelegenheiten kümmern. Als Elfriede nach 10 Jahren beschließt, dass Rosi selbstständiger werden und ihren Alltag in Zukunft alleine bewältigen muss, ist das zunächst ein Schock für die Analphabetin. Schließlich begreift Rosi die Veränderung in ihrem Leben aber als Chance. Den Mut verlieren will auch Kurt nicht, obwohl er aufgrund seines Analphabetismus nicht richtig für seinen Sohn Sebastian sorgen kann und dieser daher nicht bei seinem Vater leben darf.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Hanne Lassl porträtiert mit ihrem Dokumentarfilm drei funktionale Analphabeten und gibt Einblicke in deren Alltag. Kommentarlos begleitet die Kamera die Protagonisten dazu bei der Arbeit, beim Familienleben und vor allem beim Bewältigen von allerlei bürokratischen Hindernissen. Es ist ein durchaus mitfühlender und nachdenklicher Blick und dennoch vermeidet Lassl es, Rosi, Kurt und Koni zu verklären und aus ihren Geschichten rührselige Unterhaltung zu machen.

In den Interviewszenen werden zwar auch Themen wie Gewalt, Alkoholismus und schwierige Familienverhältnisse thematisiert, zu bloßen Opfern äußerer Umstände geraten die drei Analphabeten dabei nie: Anstatt anhand der Vergangenheit der Protagonisten eine Leidensgeschichte zu entwickeln, gilt der Fokus des Dokumentarfilms ganz dem Hier und Jetzt und dem Bemühen um mehr Selbstständigkeit. Der Blick auf das gesellschaftliche Umfeld von Rosi, Kurt und Koni entlarvt dabei die Vorstellung von einer allen gleichermaßen zugänglichen und verständlichen Welt, ebenso wird jedoch klar, dass die Protagonisten selber Fehler machen und dabei nicht unbedingt immer die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite haben.

Der Grat zwischen einer authentischen Annäherung und dem Bloßstellen der Analphabeten ist schmal und so manches Mal kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Lassl ihre Protagonisten ungewollt vorführt und sogar auf sie herabschaut. So folgt die Kamera Rosi etwa ins Schlafzimmer und zeigt, wie sie vor dem Zubettgehen ihre Kuscheltiere sortiert, oder beobachtet Koni, als er gedankenverloren vor dem PC sitzt und Schlagermusik hört. Spätestens wenn dann beim Abspann ein rockiger Popsong ertönt, der mit Rosi, Kurt und Koni Lebenswelten so gar nichts zu tun hat, wird nicht nur eine geschmackliche Abgrenzung der Filmemacher spürbar, sondern ebenso eine überhebliche Distanz des Films zu seinem Sujet.

Fazit: Dieser Dokumentarfilm über drei Analphabeten verzichtet auf rührselige Anekdoten und begleitet seine Protagonisten auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit. Leider entsteht immer wieder der Eindruck einer überheblichen Distanz zum Sujet.




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Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation
Länge: 81 Minuten
Kinostart: 12.03.2015
Regie: Hanne Lassl

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