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Über die Jahre
Über die Jahre
© Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH

Kritik: Über die Jahre (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Über einen Zeitraum von zehn Jahren hat der Filmemacher Nikolaus Geyrhalter eine Gruppe von Menschen begleitet, die ihre Arbeit in einer Textilfabrik im niederösterreichischen Waldviertel verlieren. Seine drei Stunden lange Dokumentation porträtiert die konjunkturschwache Region und gibt darüber hinaus Einblicke in das Leben seiner Protagonisten. Mit großer Zurückhaltung und Feingefühl nähert sich Geyrhalter dabei diesen Menschen und schafft so einen sehr persönlichen, aber niemals rührseligen Zugang zu Themen wie Arbeitslosigkeit und sozialer Not.

Während der ersten halben Stunde zeigt "Über die Jahre" kommentarlos und in unbewegten Totalen die Arbeit in der Textilfabrik. Es brummt, rattert, rauscht und klappert auf der Tonspur, der Ort wirkt mit seinen alten Maschinen wie aus der Zeit gefallen. Es sind Bilder von beinahe abstrakter Schönheit, die Geyrhalter mit strenger Kadrierung zwischen Stoffbahnen, klapprigen Regalen und Metallwalzen komponiert. Die mit der sich verschlechternden Auftragslage nutzlos werdenden Geräte scheinen sich vor der Kamera zu einer wahren Kunstinstallation zu entwickeln.

Der kühle Blick auf die Arbeitsprozesse, der dem Film zunächst etwas forciert sowie thesenhaft erscheinen lassen, weicht jedoch mit dem Niedergang der Fabrik einer Annäherung an die menschlichen Protagonisten. Interviewszenen werden häufiger und bestimmen die Dokumentation mehr und mehr. Auf die Ereignislosigkeit der Arbeit folgt die Leere des Alltags, der sich die Menschen auf unterschiedliche Art stellen. Und hier findet "Über die Jahre" zu richtiger Größe, indem Geyrhalter diesen Lebensläufen mit Geduld, Ausdauer und vor allem unaufdringlicher Neugier folgt.

Fazit: Mit Geduld und unaufdringlicher Neugier begleitet die Langzeitdokumentation "Über die Jahre" die unterschiedlichen Lebensläufe einer Gruppe von Menschen, die ihre Arbeit verlieren. Nach dem etwas forciert wirkenden Einstieg findet Nikolaus Geyrhalter Film mit der Annäherung an seine Protagonisten bald zu seiner wahren Größe.





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