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Straub
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© Stiftung Deutsche Kinemathek

Kritik: Straub (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auch wenn Jean-Marie Straub und Danièle Huillet einem breiten Publikum wohl eher unbekannt sein dürften, so gelten ihre Filme doch als Wegbereiter sowie wichtige Vertreter des Neuen Deutschen Films und zeichnen sich durch einige bemerkenswerte stilistische und konzeptionelle Besonderheiten aus. So drehte das Paar etwa immer nach literarischen, musikalischen oder malerischen Vorlagen, nutzte Brechts Verfremdungseffekt für seine Zwecke und legte zudem genau offen auf welche Materialien und Techniken, während der Dreharbeiten zurückgegriffen wurde.

Stefan Hayn übernimmt für seinen Dokumentarfilm nun teilweise diese Arbeitsweise und eignet sie sich mit "Straub" an. Als Vorlage dienen ihm Auszüge aus Robert Antelmes "L'espèce humaine" sowie ein von Huillet selbst verfasster Bericht zu den Dreharbeiten von "Moses und Aron" (1974). Aus dem Off werden immer wieder Passagen aus diesen beiden Texten vorgetragen und auch hier orientiert sich Hayn an Straub und Huillet: Wechselnde Sprecher, die alle ihre stimmlichen Eigenheiten haben, machen durch Nicht-Perfektion den Vorgang des Vorlesens und Zitierens deutlich und stellen ihn entgegen einer dem Realismus verbundenen Konvention geradezu aus.

Auf visueller Ebene tritt dem eine Reihe von Malereien und Skizzen gegenüber, die Hayn als Reflex auf das Werk von Straub und Huillet geschaffen hat. Zwischen dem gesprochenen Wort, das immer wieder von Musik unterbrochen wird, und den Bildbetrachtungen entsteht so ein Raum, der eigenen Gedanken Platz gibt und sich in seinem mehrdeutigen Verhältnis einfachen Interpretationen verweigert.

Als langweilig, unemotional und allzu asketisch wurde das filmische Schaffen von Straub und Huillet oftmals kritisiert und auch Hayns Arbeit dürfte bei manchen Zuschauern ähnliche Reaktionen hervorrufen. Wer jedoch über ein gewisses Interesse am Kino abseits des Mainstreams verfügt, der wird "Straub" als reizvolle Einladung begreifen, nicht nur erneut auf die Filme von Straub und Huillet zu blicken, sondern auch deren Bedeutung für heutiges Filmschaffen zu erleben.

Fazit: Stefan Hayns Dokumentarfilm orientiert sich eng an der Arbeitsweise von Straub und Huillet und geht dennoch eigene Wege. Es entsteht ein offener filmischer Raum, der dazu einlädt, sich erneut mit dem Werk des Filmemacher-Paares auseinderzusetzen.





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