oder

In the Grayscale (2015)

En La Gama De Los Grises

Chilenisches Liebesdrama: Der junge chilenische Architekt Bruno hat eine Familie und alles, was man sich wünscht. Nur ist er unsicher, ob er er tatsächlich das Leben lebt, dass er wirklich leben will. Da tritt ein lebenslustiger Mann in Brunos Leben.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Der Architekt Bruno (Francisco Celhay) ist jung schön und erfolgreich und zudem mit der hübschen Soledad (Daniela Ramírez) verheiratet, mit der er den gemeinsamen achtjährigen Sohn Daniel (Matías Torres) hat. Obwohl sein Leben somit nach bürgerlichen Maßstäben nahezu perfekt ist, fühlt Bruno, dass ihm etwas fehlt, ohne genauer definieren zu können, worin dies bestehen könnte. Um in Ruhe nachdenken zu können und wieder einen klaren Kopf zu bekommen, verlässt Bruno deshalb "wahrscheinlich nur temporär" seine Familie und zieht in die freistehende Werkstatt seines Großvaters (Sergio Hernández). Da Bruno von dem mit ihm zusammenarbeitenden Bauingenieur mit dem Entwurf zu einem wichtigen Bauwerk mit weitreichender Ausstrahlung in der chilenischen Hauptstadt Santiago beauftragt ist, wird ihm Zwecks Unterstützung bei der Ideenfindung der junge Historiker Fer (Emilio Edwards) als Cityguide zur Seite gestellt. Der lebenslustige Fer macht dabei kein Hehl daraus, dass er schwul ist und dass ihm Bruno zumindest sympathisch ist. Auch Bruno fühlt sich zu Fer hingezogen. Aber seine Gefühle sind sehr ambivalent. Er ist zutiefst verunsichert darüber, was seine wahre sexuelle Identität ist und welche Art von Leben er wirklich leben will.

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Von Bruno darauf angesprochen, wann er zuerst gespürt habe, dass er schwul ist, antwortet Fer, dass er sich schon immer nur zu Männern hingezogen gefühlt habe. Für ihn ist die Angelegenheit denkbar einfach: Entweder man ist schwul oder man ist hetero. Es gibt bloß "schwarz oder weiß", dazwischen gebe es nichts. Für den nachdenklichen und introvertierten Bruno sieht die Sache jedoch deutlich anders aus: Im gefällt die weibliche Schönheit seiner Frau und seine Rolle als Vater und zugleich fühlt er sich unwiderstehlich zu dem umtriebigen Fer und dessen unbekümmerte Art hingezogen.

Dieser innere Konflikt von Bruno und dessen in Folge äußerst komplizierte Beziehung zu Fer bilden das inhaltliche und emotionale Zentrum des gelungenen Debütfilms "In the Grayscale". Ohne große Schnörkel aber dafür mit umso mehr Feingefühl erzählt der Filmemacher Claudio Marcone die Geschichte um Brunos schmerzvolles Ringen mit seiner sexuellen Identität und um wahre Selbstverwirklichung. Dies funktioniert ausgezeichnet aufgrund des sehr differenzierten und wahrhaftigen Spiels von Francisco Celhay als Bruno und von Emilio Edwards als Fer.

Fer hebt das Thema der eigenen Identität zudem innerhalb des Films noch einmal auf eine umfassendere Ebene. Weit davon entfernt nur als attraktives Love-Interest für Bruno herzuhalten, berichtet er dem Architekten von seinem eigenen Projekt, dass darin besteht die innere Spaltung der Stadt Santiago und mit ihr der gesamten chilenischen Bevölkerung anhand entsprechender baulicher Spuren zu untersuchen. Ihm zufolge sind die Chilenen innerlich zerrissen zwischen ihrem europäischen und ihrem mestizischen Erbe.

Eine Vereinigung beider Elemente wäre seiner Ansicht nach die Voraussetzung "sich innerlich vollkommen wohl mit der eigenen Identität" zu fühlen, woraus dann auch erst eine wirklich eigene Kultur entspringen würde. Diese Metaebene spiegelt Brunos eigenen inneren Kampf, der sich auch darin äußert, dass er mit dem Entwurf zu dem großen und wichtigen Bauvorhaben, mit dem er beauftragt ist, kein Stück vorankommt. Für ihn ist die Frage nach seiner Identität nicht so einfach mit "schwarz oder weiß" zu beantworten. Denn er befindet sich - "In the Grayscale" - in einem Graubereich.

Dass Brunos Kampf tatsächlich ein rein innerer, aber deshalb nicht weniger dramatisch, als eine Bedrohung von außen ist, ist ganz deutlich daran, dass die Handlung inmitten des heißen chilenischen Sommers spielt. Bei gleißenden Sonnenschein fahren Bruno und Fer mit dem Rad durch Santiago de Chile und alles könnte perfekt sein, wenn Bruno nur mehr innere Klarheit über seine wahren Wünsche hätte. So aber wird ihm alle Schönheit oft geradezu zur Hölle.

Fazit: Das chilenische Drama ist ein sehr sensibler und ein sehr wahrhaftiger Film über das Thema der Selbstfindung und das Finden der eigenen sexuellen Identität.




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Land: Chile
Jahr: 2015
Genre: Drama, Romantik
Länge: 101 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 29.10.2015
Regie: Claudio Marcone
Darsteller: Francisco Celhay als Bruno, Emilio Edwards, Sergio Hernández
Verleih: Pro Fun Media

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