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In the Grayscale
In the Grayscale
© Pro Fun Media

Kritik: In the Grayscale (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Von Bruno darauf angesprochen, wann er zuerst gespürt habe, dass er schwul ist, antwortet Fer, dass er sich schon immer nur zu Männern hingezogen gefühlt habe. Für ihn ist die Angelegenheit denkbar einfach: Entweder man ist schwul oder man ist hetero. Es gibt bloß "schwarz oder weiß", dazwischen gebe es nichts. Für den nachdenklichen und introvertierten Bruno sieht die Sache jedoch deutlich anders aus: Im gefällt die weibliche Schönheit seiner Frau und seine Rolle als Vater und zugleich fühlt er sich unwiderstehlich zu dem umtriebigen Fer und dessen unbekümmerte Art hingezogen.

Dieser innere Konflikt von Bruno und dessen in Folge äußerst komplizierte Beziehung zu Fer bilden das inhaltliche und emotionale Zentrum des gelungenen Debütfilms "In the Grayscale". Ohne große Schnörkel aber dafür mit umso mehr Feingefühl erzählt der Filmemacher Claudio Marcone die Geschichte um Brunos schmerzvolles Ringen mit seiner sexuellen Identität und um wahre Selbstverwirklichung. Dies funktioniert ausgezeichnet aufgrund des sehr differenzierten und wahrhaftigen Spiels von Francisco Celhay als Bruno und von Emilio Edwards als Fer.

Fer hebt das Thema der eigenen Identität zudem innerhalb des Films noch einmal auf eine umfassendere Ebene. Weit davon entfernt nur als attraktives Love-Interest für Bruno herzuhalten, berichtet er dem Architekten von seinem eigenen Projekt, dass darin besteht die innere Spaltung der Stadt Santiago und mit ihr der gesamten chilenischen Bevölkerung anhand entsprechender baulicher Spuren zu untersuchen. Ihm zufolge sind die Chilenen innerlich zerrissen zwischen ihrem europäischen und ihrem mestizischen Erbe.

Eine Vereinigung beider Elemente wäre seiner Ansicht nach die Voraussetzung "sich innerlich vollkommen wohl mit der eigenen Identität" zu fühlen, woraus dann auch erst eine wirklich eigene Kultur entspringen würde. Diese Metaebene spiegelt Brunos eigenen inneren Kampf, der sich auch darin äußert, dass er mit dem Entwurf zu dem großen und wichtigen Bauvorhaben, mit dem er beauftragt ist, kein Stück vorankommt. Für ihn ist die Frage nach seiner Identität nicht so einfach mit "schwarz oder weiß" zu beantworten. Denn er befindet sich - "In the Grayscale" - in einem Graubereich.

Dass Brunos Kampf tatsächlich ein rein innerer, aber deshalb nicht weniger dramatisch, als eine Bedrohung von außen ist, ist ganz deutlich daran, dass die Handlung inmitten des heißen chilenischen Sommers spielt. Bei gleißenden Sonnenschein fahren Bruno und Fer mit dem Rad durch Santiago de Chile und alles könnte perfekt sein, wenn Bruno nur mehr innere Klarheit über seine wahren Wünsche hätte. So aber wird ihm alle Schönheit oft geradezu zur Hölle.

Fazit: Das chilenische Drama ist ein sehr sensibler und ein sehr wahrhaftiger Film über das Thema der Selbstfindung und das Finden der eigenen sexuellen Identität.




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