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Von Caligari zu Hitler (2015)

Von Caligari zu Hitler: Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen

Rüdiger Suchsland blickt mit seinem Dokumentarfilm auf das Leben und Kino der Weimarer Republik.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bestand für ein knappes Jahrzehnt die Weimarer Republik. Geprägt vom Aufbruch in die Moderne, Wirtschaftskrisen sowie politischen Verwerfungen gilt diese Epoche als eine wilde Zeit, in der zugleich aber auch vieles möglich war. Berlin hatte den Ruf eine der aufregendsten Metropolen der Welt zu sein und auch das Weimarer Kino gelangte bald zu Weltruhm. Noch heute ist der Einfluss von stilbildenden Filmen wie "Metropolis", "Nosferatu" und "Der Blaue Engel" auf die deutsche Kinolandschaft enorm und auch international genießen diese Werke nach wie vor ein hohes Ansehen. Was aber erzählt und das Weimarer Kino über die damalige Zeit, Deutschland und das Filmeschaffen? Der Filmkritiker Rüdiger Suchsland stellt mit seinem Film nicht nur zahlreiche bekannte und vergessen Filme dieser Epoche vor, sondern beleuchtet zudem, wie das Kino von Krieg, Trauma und Massengesellschaften erzählt.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Das Herzstück dieses Dokumentarfilms von Regisseur und Filmkritiker Rüdiger Suchsland sind unbestritten die Ausschnitte aus Kinofilmen der Weimarer Zeit. In Katja Dringenbergs Montage, die mal illustrativ und mal assoziativ vorgeht, bündelt "Von Caligari zu Hitler" Szenen aus Ton- und Stummfilmen, zeigt noch einmal ins kollektive Gedächtnis eingebrannte Filmbilder und gewährt dem Publikum ebenso Einblicke in unbekannte und vergessene Werke. Begleitet wird der faszinierende Bilderstrom von Suchslands konzentriertem wie kenntnisreichem Kommentar, der stets leidenschaftlich, aber niemals pathetisch erzählt.

Eingeklammert von der Frage "Was weiß das Kino, was wir nicht wissen?" und auf den Spuren des Filmtheoretikers und Soziologen Siegfried Kracauer betrachtet Suchsland das Kino als gesellschaftlichen Spiegel, der Ängste, Wünsche und Alpträume gleichermaßen reflektiert. Simple Antworten liefert "Von Caligari zu Hitler" dabei nicht, vielmehr bietet der Film eine stimulierende Grundlage, um nicht bloß über die Spielfilme der Weimarer Republik, sondern über das Kino im Allgemeinen nachzudenken.

Erstaunlich ist zum Beispiel, wenn deutlich wird, wie viel das moderne Blockbusterkino dem deutschen Film der 1920er schuldet: Peter Lorres Darstellung eines innerlich zerrissenen Kindermörders in Fritz Langs "M – Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) etwa scheint schon den Gollum aus Peter Jacksons "Der-Herr-der-Ringe"-Saga vorwegzunehmen. Suchsland beweist aber nicht nur ein außerordentliches Gespür für vielsagende Filmausschnitte, die er aus dem Off einordnet, er lässt einzelne Szene zudem immer wieder für sich sprechen und macht somit die ganze Kraft des Kinos spürbar. Dass die sporadisch eingestreuten Interviewpassagen mit Filmemachern und Wissenschaftlern dem Dokumentarfilm nichts Wesentliches hinzufügen können und eher stören, ist ein kleiner Makel dieses großartigen Werks.

Fazit: Mit diesem kenntnisreichen und wunderbar montierten Dokumentarfilm regt der Regisseur und Filmkritiker Rüdiger Suchsland zum Nachdenken über das Kino an und macht in zahlreichen Ausschnitten die Kraft des Weimarer Kinos erfahrbar.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation, Biopic
Länge: 114 Minuten
Kinostart: 28.05.2015
Regie: Rüdiger Suchsland
Darsteller: Siegfried Kracauer, Fritz Lang, Thomas Elsaesser
Verleih: Real Fiction

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Die "Kracauer-These": "Rettungslos der Regression verfallen, mußte die Mehrheit des deutschen Volkes sich einfach Hitler ergeben. Da Deutschland so verwirklichte, was in seinen Filmen von Anfang an [...mehr] bereits angelegt war, nahmen die Leinwandgestalten tatsächlich Leben an. Als personifizierte Tagträume, die Köpfen entsprangen, denen Freiheit ein tödlicher Schock und das Jungsein ständige Versuchung bedeutete, füllten diese Figuren die Arena im Deutschland der Nazis.

Der leibhaftige Homunculus ging um. Selbsternannte Caligaris hypnotisierten zahllosen Cesares Mordbefehle ein. Rasende Mabuses begingen wahnsinnige Verbrechen und gingen straffrei aus, und irre Iwans erdachten unerhörte Folterungen.

Viele von der Leinwand her bekannte Motive wurden in dieser unheiligen Prozession zu lebendigen Ereignissen. In Nürnberg erschien das Ornament der Masse aus den "Nibelungen" in gigantischen Ausmaßen: ein Meer von Flaggen und Menschen, die kunstvoll ausgerichtet waren."

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