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Mollath - und plötzlich bist du verrückt
Mollath - und plötzlich bist du verrückt
© Zorro Film © 24 Bilder

Mollath - und plötzlich bist du verrückt (2015)

Mollath

Die Dokumentarfilmerinnen Annika Blendl und Leonie Stadl porträtieren den umstrittenen Gustl Mollath.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Kaum ein Justizfall der deutschen Nachkriegsgeschichte sorgte für so viele Diskussionen wie der des Gustl Mollath: Mollath wurde von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie gewürgt und geschlagen zu haben, das Gericht befand den Franken allerdings für psychisch krank und damit nicht schuldfähig. Daher wurde der Angeklagte in den psychiatrischen Maßregelvollzug eingewiesen, mehrere Jahre verbrachte Mollath in verschiedenen Kliniken. Während dieser ganzen Zeit bestritt er jedoch nicht nur an einer Psychose zu leiden, wie ihm attestiert wurde, sondern auch seine damalige Frau misshandelt zu haben. Mehr noch, den Mollath sah sich als Opfer einer heimtückischen Intrige, die seine Frau zur Vertuschung eines Schwarzgeldskandals inszeniert hatte. Inmitten eines großen Medienrummels, schweren Justizfehlern und politischer Instrumentalisierung versuchte Gustl Mollath unbeirrt und mit bisweilen irritierender Sturheit für sein Recht zu kämpfen – und tut dies noch heute.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Seit seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie bis zum Wiederaufnahmeverfahren haben die beiden jungen Filmemacherinnen Annika Blendl und Leonie Stadl Gustl Mollath mit der Kamera begleitet. Ihr Dokumentarfilm über diese Zeit zeigt sich dabei vor allem am Protagonisten selbst interessiert und blendet vieles aus, was den juristischen Fall so komplex und skandalös macht. Etwas Vorwissen ist für das Kinopublikum also von Vorteil, denn statt breiter Aufklärung versteht sich "Mollath" in erster Linie als Porträt einer umstrittenen Figur der jüngeren Zeitgeschichte.

Während Mollaths damalige Ehefrau Petra aus eigenem Wunsch im Film nicht zu Wort kommt, so ist Blendl und Stadl dennoch eine vielseitige, geradezu schillernde Dokumentation gelungen, die bei aller persönlichen Nähe zu Mollath diesen jedoch nie verklärt und durchaus kritisch auf ihn blickt. Dabei sind es weniger Gegenstimmen, etwa in Form der Spiegel-Journalistin Beate Lakotta, die das stellenweise von der Öffentlichkeit recht einseitig gezeichnete Bild Mollaths ins Wanken bringen als vielmehr der Titelheld selber. Denn die Grenzen zwischen einem engagierten Idealisten und einem obsessiven Verschwörungstheoretiker lässt Mollath selbst immer wieder in seinen Monologen verschwimmen und stellt damit zugleich auch unhinterfragte Normalitätsbegriffe zur Debatte.

Meist nüchtern, stellenweise aber durch eine an Essayfilme erinnernde Poetik und künstlerische Schwarzweiß-Sequenzen aufgebrochen, folgt der Film seinem eigenwilligen Protagonisten und nimmt dessen Schicksal zum Anlass, über blindes Vertrauen, gesunden Menschenverstand und mediale Meinungsmache zu sinnieren. Während einige Beobachtungen zu sehr an der Oberfläche verharren, so gelingen den Filmemacherinnen doch immer wieder entlarvende Einblicke sowie subtile Spitzen.

Fazit: Während der skandalöse Justizfall um den Protagonisten recht oberflächlich beleuchtet wird, so ist Annika Blendl und Leonie Stadtl doch ein schillerndes Porträt Gustl Mollaths gelungen, das Fragen nach Normalität, gesundem Menschenverstand und medialer Meinungsmache aufwirft.




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Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 09.07.2015
Regie: Annika Blendl, Leonie Stade
Darsteller: Thomas Loibl, Gustl Ferdinand Mollath, Gerhard Strate
Verleih: Zorro Film, 24 Bilder

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