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Die Kinder des Fechters (2015)

Miekkailija

Unaufdringliches Drama über einen auf der Flucht befindlichen jungen Sportlehrer, der sich in der Schule eines estnischen Küstenstädtchens vor der sowjetischen Geheimpolizei versteckt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.5 / 5

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Der junge Sportlehrer Endel (Märt Avandi) ist Anfang der 50er-Jahre auf der Flucht vor der sowjetischen Geheimpolizei. Er wird gesucht, da er während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht eingezogen wurde. Um nicht gefasst zu werden, flieht er in ein kleines Städtchen an der Küste Estlands und fängt dort als Sportlehrer der örtlichen Schule an. Nach einigen Wochen findet er immer mehr den Zugang zu den Kindern, da er sie in dem unterrichtet, was er selbst am besten beherrscht und die Kinder unbedingt erlernen wollten: dem Fechten. Alles andere als begeistert zeigt sich davon der erzkonservative, kommunistische Schulleiter, der mit den unkonventionellen Methoden seines jungen Kollegen nicht viel anzufangen weiß. Doch die junge Lehrerin Kadri (Ursula Ratasepp), zu der er sich hingezogen fühlt, bestärkt ihn darin, weiterzumachen. Als ein großer Fecht-Wettbewerb in Leningrad ansteht, muss Endel eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Die Kinder des Fechters" beruht auf der wahren, aber in Europa weitgehend unbekannten Geschichte des estnischen Fechters Endel Nelis, der große Erfolge als Fechtlehrer feierte und viele spätere Weltmeister in diesem Sport trainierte. Bekanntheit erlangte der finnische Regisseur des Films, Klaus Härö, 2002 mit seinem Drama "Elina", 2005 war sein Kriegs-Drama "Die beste Mutter" der finnische Beitrag zur Nominierung für den Auslands-Oscar. Während "Die beste Mutter" im Zweiten Weltkrieg spielte, war "Elina" in den 50er-Jahren angesiedelt. Beide Themen bzw. Handlungszeiten vereint Härö nun in "Die Kinder des Fechters", seinem fünften Spielfilm.

Wie schon in mit feinem, leisem Humor durchzogenen Dramen wie "Die Kinder des Monsieur Mathieu" bezieht "Die Kinder des Fechters" einen Großteil seiner stärksten Momente aus dem Verhältnis "Lehrer-Schüler". Mit dem großen Unterschied, dass komödiantische Elemente hier kaum auftreten. "Die Kinder des Fechters" ist ein bedächtiger, dringlicher und melancholischer Film, in dem nicht viel gelacht wird und wenn, dann ist es der junge Sportlehrer, der über die Akribie und den Tatendrang der Kinder leicht schmunzeln muss, den Fechtsport zu erlernen und zu beherrschen. Dabei haben die jungen Schüler des idealistischen Endel die meisten Sympathien auf ihrer Seite, allen voran die fechtbegabte Schülerin Martha, die kleinste von allen, die noch über sich hinauswachsen wird.

Hinsichtlich der Lehrer-Schüler-Dramaturgie folgt der Film zwar recht konventionellen und allseits bekannten Mustern, vermag mit seiner unaufdringlichen und dezenten Erzählweise und Struktur aber zu überzeugen. Immer wieder kommt es zwischen Endel und den Kindern zu ergreifenden, hoch emotionalen Szenen und kurzen Gesprächen, die verdeutlichen, wie sehr sie sich einen Vaterersatz wünschen, schließlich liegt der Krieg nicht lange zurück und die meisten der Väter sind aus diesem nicht wieder zurückgekehrt.

Auch die gut aufgelegten Darsteller punkten. Hauptdarsteller Märt Avandi legt seine ambivalente Figur als innerlich zerrissenen aber stets an die Kraft des Sports und des Zusammenhalts glaubenden Idealisten an, der aber auch von einem bleiernen, unsichtbaren Mantel der Angst vor Entdeckung umhüllt ist. Gut harmoniert er mit Ursula Ratasepp, die die liebenswürdige Lehrerin Kadri verkörpert, die das Herz am rechten Fleck und den Mut hat, sich dem konservativen, stets der Bürokratie verpflichteten Schuldirektor immer wieder auch zu widersetzen.

In den letzten zwanzig Minuten wird es dank spannungssteigernder, kameratechnischer Stilmittel wie der Zeitlupe und der allgemeinen, unheilvollen Stimmung extrem packend. Die Spannungssteigerung gelingt Härö ebenso gut wie er es schafft, wechselhafte Gefühlsregungen beim Betrachter durch schnell aufeinanderfolgende Wendungen im Finale hervorzurufen. Glaubt man, im einen Moment das Ende von Endel noch hautnah mitzuerleben, wandeln sich die Ereignisse plötzlich doch noch und Häro entlässt den Kinobesucher mit einem warmen Gefühl ums Herz.

Fazit: Mit glaubhaft agierenden Darstellern ausgestattetes Drama, das trotz konventioneller Muster durch seine unaufdringliche Inszenierung, die erhabene Melancholie und das spannende Finale überzeugt.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollEin ehemaliger Fechter, der auf der Flucht vor den sowjetischen Behörden in den 1950er Jahren vor Stalins Tod in einer estnischen Schule eine Zuflucht findet, wird von seinem Direktor quasi dazu genötigt, seinen Schülern ein ungewöhnliches Angebot [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Finnland, Estland, Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 17.12.2015
Regie: Klaus Härö
Darsteller: Lembit Ulfsak als Jaan's Opa, Kirill Käro als Aleksei, Märt Avandi als Endel
Verleih: Zorro Film, 24 Bilder

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