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Die Kinder des Fechters
Die Kinder des Fechters
© Zorro Film © 24 Bilder

Kritik: Die Kinder des Fechters (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die Kinder des Fechters" beruht auf der wahren, aber in Europa weitgehend unbekannten Geschichte des estnischen Fechters Endel Nelis, der große Erfolge als Fechtlehrer feierte und viele spätere Weltmeister in diesem Sport trainierte. Bekanntheit erlangte der finnische Regisseur des Films, Klaus Härö, 2002 mit seinem Drama "Elina", 2005 war sein Kriegs-Drama "Die beste Mutter" der finnische Beitrag zur Nominierung für den Auslands-Oscar. Während "Die beste Mutter" im Zweiten Weltkrieg spielte, war "Elina" in den 50er-Jahren angesiedelt. Beide Themen bzw. Handlungszeiten vereint Härö nun in "Die Kinder des Fechters", seinem fünften Spielfilm.

Wie schon in mit feinem, leisem Humor durchzogenen Dramen wie "Die Kinder des Monsieur Mathieu" bezieht "Die Kinder des Fechters" einen Großteil seiner stärksten Momente aus dem Verhältnis "Lehrer-Schüler". Mit dem großen Unterschied, dass komödiantische Elemente hier kaum auftreten. "Die Kinder des Fechters" ist ein bedächtiger, dringlicher und melancholischer Film, in dem nicht viel gelacht wird und wenn, dann ist es der junge Sportlehrer, der über die Akribie und den Tatendrang der Kinder leicht schmunzeln muss, den Fechtsport zu erlernen und zu beherrschen. Dabei haben die jungen Schüler des idealistischen Endel die meisten Sympathien auf ihrer Seite, allen voran die fechtbegabte Schülerin Martha, die kleinste von allen, die noch über sich hinauswachsen wird.

Hinsichtlich der Lehrer-Schüler-Dramaturgie folgt der Film zwar recht konventionellen und allseits bekannten Mustern, vermag mit seiner unaufdringlichen und dezenten Erzählweise und Struktur aber zu überzeugen. Immer wieder kommt es zwischen Endel und den Kindern zu ergreifenden, hoch emotionalen Szenen und kurzen Gesprächen, die verdeutlichen, wie sehr sie sich einen Vaterersatz wünschen, schließlich liegt der Krieg nicht lange zurück und die meisten der Väter sind aus diesem nicht wieder zurückgekehrt.

Auch die gut aufgelegten Darsteller punkten. Hauptdarsteller Märt Avandi legt seine ambivalente Figur als innerlich zerrissenen aber stets an die Kraft des Sports und des Zusammenhalts glaubenden Idealisten an, der aber auch von einem bleiernen, unsichtbaren Mantel der Angst vor Entdeckung umhüllt ist. Gut harmoniert er mit Ursula Ratasepp, die die liebenswürdige Lehrerin Kadri verkörpert, die das Herz am rechten Fleck und den Mut hat, sich dem konservativen, stets der Bürokratie verpflichteten Schuldirektor immer wieder auch zu widersetzen.

In den letzten zwanzig Minuten wird es dank spannungssteigernder, kameratechnischer Stilmittel wie der Zeitlupe und der allgemeinen, unheilvollen Stimmung extrem packend. Die Spannungssteigerung gelingt Härö ebenso gut wie er es schafft, wechselhafte Gefühlsregungen beim Betrachter durch schnell aufeinanderfolgende Wendungen im Finale hervorzurufen. Glaubt man, im einen Moment das Ende von Endel noch hautnah mitzuerleben, wandeln sich die Ereignisse plötzlich doch noch und Häro entlässt den Kinobesucher mit einem warmen Gefühl ums Herz.

Fazit: Mit glaubhaft agierenden Darstellern ausgestattetes Drama, das trotz konventioneller Muster durch seine unaufdringliche Inszenierung, die erhabene Melancholie und das spannende Finale überzeugt.




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