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Kritik: Mädchen im Eis (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer skurrile Geschichten und eisgekühlten Humor schätzt, wird an dieser deutsch-russischen Produktion eventuell Gefallen finden. Leicht einzuordnen ist das schillernde Werk nicht, denn es verbindet eine Liebesgeschichte mit einem Kriminalfall, satirischen Seitenhieben auf die russische Gesellschaft und einem eigenwilligen Stil. Regisseur Stefan Krohmer drehte die von Daniel Nocke verfasste Geschichte mit deutschen und russischen Schauspielern. Im Film wechseln die Charaktere öfter zwischen beiden Sprachen, was im Zusammenspiel mit dem Voice-Over Yegors aus der Rahmengeschichte mitunter etwas anstrengt.

Von Anfang an wirkt die Handlung rätselhaft und das ändert sich auch bis zum Schluss nicht. Weil es zunächst um Yegor geht, glaubt man, dieser zynisch-schräge Charakter stehe im Zentrum des Geschehens. Aber dann zeigt sich, dass es keine richtige Hauptfigur gibt, weil die Geschichte den Wegen verschiedener Hotelgäste folgt. Darunter gibt es Glücksritter, Idealisten und Sturköpfe. Der russische Oligarch Starych tritt als Gutmensch auf, der Pinguine liebt, weil er sie für Symboltiere einer besseren Welt hält. Der Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine", der diese Spezies mit einem Nimbus von Durchhaltevermögen, Familiensinn und Entbehrung umgab, lässt grüßen. Sein Kontrahent, der ungeschickte Yegor, hält dagegen, dass Pinguine in Wahrheit pervers und untreu seien. Vielleicht dichtet er gerade Andrei Pinguin-Eigenschaften an, denn der kümmert sich rührend um sein Kind und nimmt es folglich nachts auch mit in Winjas Zimmer mit. Mit der Sportlerin Swetlana und ihrer Trainerin weht ein eisiger Hauch aus Sowjetzeiten durch die Geschichte: Swetlana stellt die Karriere über das Kind und schluckt eine Menge Dopingmittel.

Die einzelnen Charaktere sind nicht nur konträr zueinander angelegt, sie widersprechen auch ihren eigenen Prinzipien. Starych, der Gutmensch, der vor der Kamera seines Films in russischen Versen die Macht des Bösen beklagt, ist auch ein Verbrecher. In der Wahl ihrer Mittel unterscheiden sich Weltverbesserer nicht unbedingt von korrupten Zynikern. Die verschiedenen Themen begegnen sich in einem pointenreichen Finale, das an eine flotte Gaunerkomödie erinnert.

Über Starychs Video, das die Menschen moralisch aufrütteln soll, erzählt der Film, indem er eigenwillige Montagen in die Haupthandlung einflicht, mit abstrakten Computeranimationen und Pinguinen, die ins Wasser tauchen oder auf die Erde fallen. Dass man dem rätselhaften Kurs dieser Geschichte bis zum Ende folgt, liegt an der vom trockenen, zuweilen auch makaberen Humor erzeugten Spannung.

Fazit: Die makabere Krimi- und Liebeskomödie von Regisseur Stefan Krohmer ist durchzogen von der trockenen Kälte, die an ihrem Schauplatz im hohen Norden Russlands herrscht. Mit schrägen, ambivalenten Charakteren wirft sie einen satirischen Blick auf Themen wie Moral und Korruption, die nicht nur die russische Gesellschaft beschäftigen. Dabei bleibt einiges bis zum Schluss rätselhaft.




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