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Zazy (2015)

Drama: Eine 18-Jährige will berühmt werden – und setzt auf Erpressung, um ihr Ziel zu erreichen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.8 / 5

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Die junge Zazy (Ruby O. Fee) macht eine Lehre bei dem Schneider Patrizio (Claudio Caiolo) in einem kleinen Ort im Trentino. Ihr Freund Tomek (Paul Boche) nimmt Gelegenheitsjobs an; sie selbst ist von ihrer Tätigkeit gelangweilt und träumt von einer Fernsehkarriere. Als die attraktive und wohlhabende Marianna (Petra van de Voort) als Kundin im Geschäft auftaucht, bekommt Zazy zufällig mit, dass sich Patrizio mit der 39-Jährigen zu einem Ausflug in die Berge verabredet. Marianna ist die Ehefrau des bekannten deutschen TV-Showmasters Maximilian Berg (Philippe Brenninkmeyer) und macht mit ihren zwei Kindern Urlaub in dem norditalienischen Städtchen. Als Zazys Chef von der Wanderung nicht mehr zurückkehrt und kurz darauf tot aufgefunden wird, beginnt Zazy, Marianna zu erpressen. Da Marianna mit dem tödlichen Unfall nicht in Verbindung gebracht werden möchte, geht sie auf Zazys Forderungen ein. Doch nach einem Aushilfsjob als Pferdepflegerin in Deutschland verlangt die 18-Jährige immer mehr von Marianna und wird dabei von Tomek noch beständig angetrieben.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Mit "Zazy" liefert der Filmemacher M.X. Oberg einen einnehmenden Mix aus Drama und Thriller. Wie schon in seinem in Tokio angesiedelten Mystery-Werk "Stratosphere Girl" (2004) gelingt es dem Drehbuchautor und Regisseur, eine reizvolle Atmosphäre zu erzeugen und geschickt mit kinematografischen Mitteln zu spielen: Einige Szenen werden etwa so montiert, dass einzelne Momente vorweggenommen oder ausgespart werden, wodurch es beim Zusehen immer wieder zu kleinen Irritationen kommt. Obendrein findet Oberg mit seinem Kameramann Ralf M. Mendle äußerst berückende Bilder – beispielsweise von der anfänglichen Berglandschaft am Gardasee oder später von dem luxuriösen Haus in Nordrhein-Westfalen, in welchem der (erfolg-)reiche TV-Entertainer Maximilian mit seiner Frau Marianna lebt. Stilvoll werden die trügerischen Idyllen der Natur oder des gehobenen Bürgertums festgehalten.

Die titelgebende Protagonistin wird von der Jungschauspielerin Ruby O. Fee ("Als wir träumten") ambivalent interpretiert: Mal wirkt Zazy naiv und geradezu unbeholfen, mal zeigt sich in ihrem Verhalten sowie in ihren Blicken und Gesten eine extreme Durchtriebenheit und Dreistigkeit. Fee kann sowohl Zazys Unzufriedenheit mit der Schneiderinnenlehre als auch den diffusen Wunsch, durch "irgendwas beim Fernsehen" zu schnellem Ruhm zu gelangen, glaubhaft vermitteln. Wie Zazy die verheiratete Marianna zu Beginn beinahe beiläufig und doch ganz unmissverständlich erpresst, wird clever erzählt. Im weiteren Verlauf leidet die Handlungslogik gelegentlich – was nicht zuletzt an der überzogen-psychopathischen Zeichnung von Zazys Freund Tomek liegt. Dieser wird von Paul Boche ("Uns geht es gut") zwar überaus ausdrucksstark verkörpert; allerdings mangelt es der hedonistisch-unberechenbaren Figur an einem Hintergrund, um als weiterer Antagonist im Geschehen vollauf überzeugen zu können.

Dass Oberg sich auf Genre-Motive einlässt und lustvoll mit diesen jongliert und dass er einen satirisch-bösen Blick auf das TV-Business wirft, in welchem nur zu zählen scheint, wen man kennt (und nicht etwa, was man kann), ist dennoch begrüßenswert. "Zazy" bietet edel bebilderte, herrlich fiese Unterhaltung – wovon es in Deutschland gern noch mehr geben darf.

Fazit: Ein stilbewusst gestaltetes Thrillerdrama mit interessanter Hauptfigur, das im zweiten Teil der Geschichte Logikschwächen aufweist. Ruby O. Fee glänzt in ihrer bis dato besten Performance.




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Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Thriller, Erotik
Länge: 98 Minuten
Kinostart: 30.03.2017
Regie: Matthias X. Oberg
Darsteller: Paul Boche, Philippe Brenninkmeyer, Olivia Burkhart
Verleih: Real Fiction

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