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Verliebt, verlobt, verloren
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© farbfilm verleih

Kritik: Verliebt, verlobt, verloren (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die aus Südkorea stammende Regisseurin Sung-Hyung Cho (Full Metal Village) widmet sich in diesem Dokumentarfilm einem wenig bekannten Kapitel der DDR-Geschichte. In den 1950er Jahren kamen junge Nordkoreaner zum Studium in den sozialistischen Bruderstaat, wo einige von ihnen Beziehungen mit deutschen Frauen eingingen und Kinder bekamen. Das Regime in Pjöngjang rief sie jedoch bald zurück, und zwar ohne Familienanhang. Die getrennten Paare sahen sich in der Regel nicht wieder. Die Frauen, die davon in diesem Film erzählen, kämpfen immer noch mit den Tränen. Ihre tief empfundene Isolation lindert nur der gelegentliche Austausch im Verein deutsch-koreanischer Familien.

Renate Hong, Marga Sim und Ruth Runge erinnern sich, wie sie die nordkoreanischen Studenten kennenlernten. Die jungen Männer sahen gut aus und zeigten sich aufgeschlossen für Tanzabende und sogar Faschingspartys. Auf die kurze Zeit des unbeschwerten Studentenlebens und des Beziehungsglücks aber folgte das böse Erwachen. Die DDR ließ viele Paare gar nicht erst heiraten, selbst wenn ein Kind unterwegs war. Ruths Sohn, Thomas Hillmann, hat seinen Vater nie gesehen, denn der musste schon vor seiner Geburt zurück nach Nordkorea. Ina Grauer löcherte ihre Mutter Marga jahrelang mit Fragen nach ihrem Vater, bis zu dem Tag, an dem dieser schrieb, sie dürften ihn nicht besuchen und auch nie wiedersehen. Thomas und Ina reisten 2010 nach Nordkorea, obwohl ihre Väter da schon nicht mehr lebten. Renate Hong hingegen traf ihren Mann kürzlich in seiner Heimat wieder – und stellte ihm seine Söhne vor. Ihre Geschichte, die durch die Medien ging, hat der Regisseurin zufolge in Südkorea sehr viele Menschen bewegt.

Die paranoide Abschottung des nordkoreanischen Regimes, die hinter diesen individuellen Trennungsgeschichten steht, wird auch im Videotagebuch Ina Grauers von 2010 spürbar. Sie filmte auf ihrer Reise aus dem Hotelzimmer und dem Bus und wurde Zeugin der permanenten Überwachung und Gängelung. Eine weitere visuelle Besonderheit im Film sind die gelegentlich eingestreuten animierten Zeichnungen, die nostalgisch die Momente des Liebesglücks und des Abschieds heraufbeschwören. Das Schicksal dieser getrennten Familien wird einfühlsam und berührend erzählt und erinnert daran, dass Geschichte immer auch eine persönliche Komponente hat, die eigene Wege geht. Dem einen oder anderen besonders hartnäckigen Deutschen ist es mittlerweile gelungen, seine nordkoreanischen Halbgeschwister kennenzulernen.

Fazit: Der berührende Dokumentarfilm widmet sich den Liebesbeziehungen, die vor 60 Jahren zwischen Nordkoreanern und deutschen Studentinnen an DDR-Universitäten entstanden. Die Paare wurden von der Politik getrennt, aber die Trauer und Sehnsucht der Frauen und ihrer vaterlos aufgewachsenen Kinder lebt fort.




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