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Kill Billy
Kill Billy
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Kritik: Kill Billy (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Humor dieser Krimi-Komödie ist schön kühl und trocken, wie es sich für einen norwegischen Film gehört. Regisseur Gunnar Vikene erzählt dennoch eine Geschichte, die den Erwartungen wiederholt zuwiderläuft. Es gibt in diesem Drehbuch, das auf einem Roman des norwegischen Schriftstellers Frode Grytten basiert, keine einfachen Lösungen und die Charaktere lassen sich nicht in Gut und Böse einteilen. Die Hauptfigur Harold wird vom Wunsch angetrieben, sich am vermeintlichen Erzfeind, dem Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, zu rächen. Dahinter verbirgt sich jedoch das Drama eines Mannes, der am Ende seines Lebens fast alles verloren hat, was ihm etwas bedeutet. Nun hat er nur noch den entfremdeten Sohn und eine neue Bekanntschaft: Die 16-jährige Schwedin Ebba ist ebenfalls eine einsame Seele mit viel Wut im Bauch.

Zunächst sieht es so aus, als gehe es dem Film um deftige Sozialkritik: Harolds Möbelhaus muss schließen, weil die Leute nach nebenan zu Ikea stürmen, weil gute alte Wertarbeit weniger zählt als preiswerte Konsumware. Aber als Harold den Ikea-Gründer Kamprad dann tatsächlich entführt, lernt er einen Menschen kennen, den er nicht wirklich hassen kann. Kamprad – eine satirisch fiktionalisierte Figur - , ist über die unverhoffte Gesellschaft weder erbost, noch traurig. Mit Harold hat er auch noch die Liebe zum Geschäft gemeinsam. Weil Kamprad nicht auf den Mund gefallen ist und keine Angst hat, kommt es zu lustigen Wortwechseln und Komplikationen. Die Jugendliche Ebba ist als Dritte im Bunde dabei. Sie wollte davonlaufen, um sich nicht mehr um ihre alkoholkranke Mutter kümmern zu müssen. Zwischen Harold und Ebba entwickelt sich eine zarte Freundschaft, die beiden neuen Halt gibt.

In dieser verhaltenen Geschichte ist es ziemlich kalt: Draußen schneit es meistens, einmal brechen Harold und Kamprad sogar auf einem vereisten See ein. Alles, was Harold anpackt, geht entweder schief oder nimmt einen ungeplanten Verlauf. Er wollte sich selbst inmitten seines bankrotten Möbelgeschäfts anzünden, aber dann ging die Sprinkleranlage an. Das Feuer, das die Charaktere antreibt, schwelt vor sich hin, denn die Außenwelt entzieht sich ihrer Wut, ihrem Ärger und ihrem Rachebedürfnis. In dieser von Resignation durchzogenen, ernüchternden Atmosphäre lodert auch der Witz skurriler Dialoge und Situationen jeweils nur kurz auf. Harolds Roadtrip ist ein Film der leisen Töne und der gemischten Gefühle, an dessen Ende nicht viel mehr als ein Silberstreif am Horizont erscheint.

Fazit: Die norwegische Komödie über einen alten Mann, der aus Wut über seine Verluste zum Entführer wird, steuert trotz ihrer skurrilen Momente und ihres schwarzen Humors einen verhaltenen, nachdenklichen Kurs. Das Abenteuer neuer menschlicher Begegnungen dient hier nicht dazu, Ernüchterung zu verhindern, sondern sie zu ertragen.




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