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Stung
Stung
© Kinostar © Splendid Film

Kritik: Stung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Stung" ist ein Horrorfilm, der ein drastisches Schreckensszenario entfaltet, es aber auch augenzwinkernd humorvoll relativiert. Regisseur Benjamin Diez gibt mit dieser deutschen, englischsprachigen Produktion sein Spielfilmdebüt. Die Geschichte ist auf dem amerikanischen Land angesiedelt und lässt zunächst noch recht harmlos eine Hummel über den herbstlich bunten Wald fliegen. Aber dann naht der Tod in Gestalt eines großen dunklen Insekts. Die genetisch mutierte Wespe hat unzählige Geschwister, die alle aus dem Garten von Mrs. Perchs schlossähnlicher Villa stammen. Da gibt es selbst für den Catering-Angestellten Paul nicht mehr viel zu lachen, dessen lockere Art dennoch immer wieder in reizvollem dramaturgischen Gegensatz zum Horror und seinen Kreaturen steht.

Die Handlung an sich ist recht dünn und wird zügig und geradlinig abgespult. Die elegant-langweilige Gartenparty weicht nach der Wespenattacke dem Chaos, eine kleine Gruppe Überlebender verschanzt sich im Haus, ohne Kontakt zur Außenwelt. Dort kommen die Charaktere ein wenig ins Gespräch, bevor es wieder actionreich zur Sache geht. Mrs. Perch und ihr leicht sonderbarer Sohn Sydney sind auf morbide Weise geheimnisumwittert. Sydney verrät, wie es zu den Insektenmutationen kam, aber vieles andere bleibt nur angedeutet: Der Film hält sich nicht lange mit dem Hintergrund der Figuren oder ihrem inneren Erleben auf. Es genügt ihm, der holprigen Romanze zwischen Paul und Julia quasi durch den Insektenhorror auf die Sprünge zu helfen. Denn in der Gefahr müssen sich die beiden intensiver auseinandersetzen und zusammenrücken.

Die Flucht- und Verfolgungsszenen im zunehmend verwüsteten Haus sind mit wackeliger Handkamera gedreht. Die Lage wird durch die Schnitte noch unübersichtlicher. Der klebrige gelbe Schleim der Insekten und das Blut ihrer zermatschten Menschenopfer sind nichts für Zartbesaitete. Die frisch geschlüpften Monsterwespen sehen zwar recht mechanisch aus, aber ihr Flug und die Riesenkräfte, die sie entfalten, verfehlen ihre Wirkung nicht. Irgendwie erscheint nicht nur die Schlossvilla als Schauplatz der Handlung aus der Zeit gefallen, sondern auch diese selbst: Mit seinen Ideen und seinem unbekümmert simplen, rückwärtsgewandten Stil erfindet der Film das Genre nicht neu, sondern spielt mit seinen Versatzstücken, so wie Paul einmal im Garten mit den Catering-Produkten jongliert.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs Benni Diez bietet deftigen Horror mit Monsterinsekten, der durch Wortwitz und zwei unbeschwerte junge Hauptfiguren aufgelockert wird. Der spielerische Stil der simplen Geschichte balanciert den Schrecken, der dem Genre eher huldigt, als es neu zu erfinden, reizvoll aus.





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