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Tango Pasión
Tango Pasión
© Kinostar © Marco Nieschka für Hildebrandt Film

Kritik: Tango Pasión (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Filmemacherin Kordula Hildebrandt präsentiert nach dem Dokumentarfilm "Spirit Berlin" von 2014 erneut eine Produktion, in der es um einen Aspekt des kulturellen Lebens in der Hauptstadt geht. Ursprünglich war "Tango Pasión" sogar der erste Langfilm, den die Regisseurin in Angriff nahm, obwohl er nun als ihr zweiter in die Kinos kommt. In Berlin wurde schon in den Goldenen Zwanzigern leidenschaftlich Tango getanzt. Aber die Nazi-Zeit und der Krieg markierten einen vollständigen Bruch. Auch in der Bundesrepublik gab es keine nennenswerte Tango-Gemeinde mehr, bis der Tango-Nuevo-Musiker Astor Piazolla 1982 in West-Berlin den Keim für eine neue Welle der Begeisterung legte. Sie schwoll erst langsam an, mit einigen wenigen Anhängern in einer Zeit, in der der Paartanz komplett aus der Mode war. Aber in den Neunzigern gab es dann einen regelrechten Tango-Boom in Berlin und die Zahl der Anhänger wächst immer noch: Mittlerweile wird sie auf über 300.000 Menschen geschätzt.

In diesem Film wird getanzt, aber nicht nur. Die Profis, die in Aktion zu sehen sind und etliche weitere Köpfe aus der Szene geben Auskunft über den Tango. So erschließt sich dem Zuschauer schrittweise die ganze Vielfalt der Themen, die diesen Tanz so faszinierend macht. Leidenschaft, das Verhältnis der Geschlechter, das Führen und Geführtwerden: Der Tango ist ein Gefühlstanz, ein Drama für zwei Personen. Es gibt junge Profis, die den Tango auch als offenen Dialog mit wechselnden Rollen begreifen. Man sieht zwei Männer miteinander tanzen, dann wieder ein Paar, das Elemente aus dem Modern Dance einbringt. Den Höhepunkt des Films bildet eine wunderbar sinnlich inszenierte Passage, in der ein Unterwasser-Tango aufgeführt wird.

Viele Mitglieder der Gründerszene aus den achtziger Jahren gingen nach Argentinien, um den Tango zu lernen. Aber es gibt auch Südamerikaner, die nach Berlin kamen, um sich dort dem Tango zu widmen. Die Geister scheiden sich, wenn es um die Beurteilung der Berliner Szene geht. Ein Chilene behauptet, dass die Deutschen den Tango gar nicht verstehen könnten, zum Beispiel weil sie seine Liedtexte nicht kennen. Ein anderer Beobachter beklagt, der Tanz werde in Berlin lediglich konsumiert, aber nicht kreativ weiterentwickelt.

Der Film konzentriert sich vielleicht etwas zu sehr auf die Profis und vernachlässigt die Amateure, die Freizeittänzer in Wort und Bild. So wirkt der ansonsten sehr informative Überblick über die Berliner Szene auch kopflastig. Zum Glück sind die Tanzausschnitte sehr stilvoll gefilmt. Tango, so viel nimmt man auch als Nicht-Berliner aus diesem Film mit, ist ein kreatives, anspruchsvolles Vergnügen und oft sogar eine Kunst.

Fazit: Der Dokumentarfilm über die vibrierende Berliner Tango-Argentino-Szene vermittelt einen umfassenden und sehr informativen Überblick über ihre Tradition und Experimentierfreude. Die Aussagen vieler Praktizierender lassen erkennen, welche Komplexität dieser sinnliche, ausdrucksstarke Tanz besitzt.




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