VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Hirschen - Da machst was mit!
Hirschen - Da machst was mit!
© Hirschen Filmverleih

Kritik: Hirschen - Da machst was mit! (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Hirschen" ist einerseits ein Heimatfilm, andererseits aber auch eine vollkommen skurrile Posse mit vielen Klamauk-Einfällen. Der deutsch-türkische Regisseur und Drehbuchautor George Inci, der auch als Kameramann und Darsteller fungiert, hat den Film als unabhängige Produktion gemeinsam mit Beatrice von Moreau auf die Beine gestellt. Die langwierige und von vielen Rückschlägen begleitete Suche nach finanziellen Partnern wurde zu einer Erfahrung, die in die Filmbotschaft selbst mündete: niemals aufgeben! Im fiktiven Dorf Hirschen wollen sich ein paar Bewohner nicht damit abfinden, dass die Tage des Ortes gezählt sein sollen und greifen zu ungewöhnlichen Methoden. Die Filmcrew wurde am Drehort Außervillgraten in Osttirol von der Dorfgemeinschaft begeistert empfangen: Viele Darsteller, zum Beispiel Josef Lusser in der Hauptrolle des Metzgers, stammen von der örtlichen Theatergruppe und der Kapellmeister Gebhard Widemair steuerte Kompositionen für den Soundtrack bei.

Inci nennt seine Regiemethode "intuitives Filmen". Innerhalb eines vorgegebenen Rahmens entwickelt sich der Dreh relativ frei und erhält eine eigene Dynamik. Die Darsteller dieser Komödie, unter ihnen auch Profis, spielen betont bühnenhaft, sie deklamieren ihre Sprüche mit selbstironischem Pathos, haben Spaß am Grimassieren und am demonstrativen Unsinn, den die Geschichte pflegt. Einige der Unfallopfer zum Beispiel kaufen im Dorfladen gleich die ganze Wurst und den ganzen Schinken auf, der Pfarrer stirbt im Stehen während der Messe mit Blick zum göttlichen Licht. Von Zeit zu Zeit geben der Mechaniker, der Politiker Hans Kröck (Gebhard Widemair) oder auch die Jäger kleine Tanzeinlagen, die mit dem Inhalt gar nichts zu tun haben. Bauernschläue und Anarchie, Ideenreichtum und Tatkraft repräsentieren das Heimatidyll und stellen es gleichzeitig auf den Kopf.

Incis Blick auf das Tiroler Dorf ist folkloristisch überhöht und dabei liebevoll ironisch. Dem Ortsnamen entsprechend gibt es in den Wäldern jede Menge Hirsche, die röhren, ihr stattliches Geweih präsentieren und über die Straße preschen. Dass die Komödie mit kitschigen Klischees spielt, lässt sich schon an der grell-künstlichen Farbgebung erkennen. Die Wiesen sind grüner als in Wirklichkeit, die herbstlichen Bäume bunter, die Farbe rot leuchtet überall, von Polsterstühlen oder Hemden, mit der Kraft von Cocktailkirschen. Zur üppigen Filmmusik gehören alpenländische Melodien ebenso wie indische Klänge und flotte Balkanweisen. Ein schräger, augenzwinkernder Filmspaß, der sich selbst nicht so ernst nimmt und mit seinen zahlreichen Ideen munter jongliert.

Fazit: Die skurrile Heimatposse über pfiffige Tiroler Dorfbewohner, die in der Not zu einer unkorrekten Selbsthilfemaßnahme greifen, jongliert munter mit Klischees, Kitsch und Komplotten. Der bunte, spielfreudige Klamauk passt als Film in keine Schublade.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.