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Senden Bana Kalan - Das, was mir von dir blieb
Senden Bana Kalan - Das, was mir von dir blieb
© AF Media

Kritik: Senden Bana Kalan - Das, was mir von dir blieb (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Senden Bana Kalan – Das, was mir von dir blieb" ist ein Liebesfilm, der insbesondere in seiner zweiten Hälfte die ganz hohen Gefühlstöne anschlägt. Dabei bewegt sich das von Abdullah Oğuz inszenierte Werk nah an der Grenze zum Kitsch – verfällt jedoch nie in billige Sentiments und schlägt deshalb zu keiner Sekunde in unfreiwillige Komik um.

Das von Levent Kazak verfasste Drehbuch erzählt von einer charakterlichen Reifung, die mit Verzicht und Verlust einhergeht. Die Geschichte beginnt als fish-out-of-water-story, in welcher der überhebliche Großstädter Özgür – der das Wohnen in der Suite eines Luxushotels sowie schnelle, teure Fahrzeuge und nächtliche Ausschweifungen gewohnt ist – mit dem dörflichen Leben und dem Alltag in einer öffentlichen Bildungsstätte konfrontiert wird.

Hier kommt es zu diversen erheiternden Momenten mit schöner Situationskomik – beispielsweise wenn sich das Haus, das Özgür beziehen soll, als Bruchbude mit zu Boden krachenden Türen (und ohne WLAN!) erweist. Originell sind vor allem die Szenen in der Schule: Um des Unterrichts verwiesen zu werden, versucht Özgür etwa, eine Schlägerei anzuzetteln. Der von ihm als Gegner auserkorene, korpulente Tosun (Doğa Konakoğlu) entpuppt sich allerdings trotz seines Spitznamens "Bulle" als netter, sensibel-verängstigter Kerl, von dessen Familie der irritierte Özgür bei der späteren Unterredung sogar liebevoll mit regionalen Köstlichkeiten bewirtet wird. Auch aus den Vorbereitungen für ein Schultheaterstück, das von der Engländerin Emma (Wilma Elles) umgesetzt werden soll, gewinnt "Senden Bana Kalan" einigen Humor.

Nach und nach rückt die love story zwischen dem Protagonisten und der zunächst recht rätselhaften Waisen Elif ins Zentrum. Das (vermeintliche) Gegensatzpaar darf anfangs, in bester screwball comedy-Manier, ein bisschen aneinandergeraten – so zum Beispiel wenn Elif als Bedienung im Dorfrestaurant genüsslich die ungültige Kreditkarte des unfreundlichen Özgür in zwei Hälften schneidet. Mit der zunehmenden Innigkeit der Beziehung, die – wie sich herausstellt – bis in die Kindheit der beiden zurückreicht, hält die märchenhaft daherkommende Romantik Einzug in das Werk, das sich zum Melodram verdichtet.

Die Tragik des weiteren Geschehens und die Intensität der Liebe zwischen Özgür und Elif wird durch emotional aufgeladene Wetterlagen und Zeitlupeneinstellungen illustriert sowie mit einem wuchtigen Score von Yıldıray Gürgen klanglich zum Ausdruck gebracht; die lyrisch anmutende Schlusseinstellung des Films ist ein kleines, bildgestalterisches Meisterstück des Gefühlskinos. Gewiss ist das alles kaum subtil – wirkt aber dennoch nicht manipulativ oder schablonenhaft, sondern durchweg aufrichtig und mit dem nötigen Herzblut präsentiert.

Dazu tragen nicht zuletzt die Performances von Ekin Koç (als Özgür) und Neslihan Atagül (als Elif) bei. Koç weiß sowohl als verantwortungsloses party animal als auch in den späteren Passagen als verzweifelt Liebender zu überzeugen; und Atagül gelingt es, mit ihrer starken Präsenz zu verhindern, dass aus Elif eine passive Leidensfigur wird. Das gut miteinander harmonierende Schauspielduo macht die Anziehung zwischen Özgür und Elif spürbar und regt so zum Mitfühlen an.

Fazit: Abdullah Oğuz setzt das tragische Filmmärchen amüsant und anrührend in Szene. Das Hauptdarstellerpaar spielt eindringlich.




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