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Von Trauben und Menschen
Von Trauben und Menschen
© Film Kino Text © Die FILMAgentinnen

Kritik: Von Trauben und Menschen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Paul Lacostes "Von Trauben und Menschen" scheint sich mit aller Kraft gängigen Frankreich-Klischees entgegenstellen zu wollen: Kommentarlos wird das Publikum in die Welt des Weinanbaus eingeführt und muss dabei erst einmal vollkommen auf französische Lebensfreude und idyllische Landschaftsaufnahmen verzichten. Stattdessen präsentiert Kameramann Yvan Quéhec begleitet von melancholischen Gitarrenakkorden beinahe schon reizlose Bilder, die eher grauen Alltag als Urlaubserinnerungen beschwören.

Der von Nüchternheit und Sachlichkeit geprägte Ton soll Lacostes gesamten Film durchziehen und dennoch ist "Von Trauben und Menschen" alles andere als langweilig. Der spröde Charme ist nämlich ganz auf Augenhöhe mit den Protagonisten und ihren Lebenswelten, schnell fühlt man sich als Teil der Gemeinschaft von Saisonarbeitern. Neben unaufgeregten Aufnahmen der Feldarbeit geben die unterschiedlichen Figuren anhand von kurzen Interviews Einblicke in ihr Privatleben und ihre Biografien. Abrupte Schnitte unterbrechen die Gespräche dabei meist nach wenigen Minuten und bewahren so den lakonischen, unsentimentalen Charakter des Films. Lacoste geht es hier nicht um die detaillierte Darstellung von Einzelschicksalen, sonder vielmehr um gesellschaftliche Stimmungen und Nöte.

Wer sich mit der skizzenhaften, mitunter etwas unfokussierten Dramaturgie anfreunden kann und keine visuelle Brillianz erwartet, der kann in "Von Trauben und Menschen" stimmige kleine Porträts sowie scharfsichtige Beobachtungen entdecken. Dass vieles bloß angerissen und angedeutet wird, ist hierbei keine Schwäche der Inszenierung, sondern lässt die anregende Kraft dieses im besten Sinne unspektakulären Dokumentarfilms erst wirksam werden.

Fazit: Paul Lacostes im besten Sinne unspektakulärer Dokumentarfilm begleitet eine bunte Gruppe von Saisonarbeitern bei der Weinlese. Lakonisch und unsentimental blickt "Von Trauben und Menschen" dabei auf die Schicksale seiner Protagonisten und spürt gesellschaftlichen Stimmungen und Nöten nach. Das mag dramaturgisch mitunter skizzenehaft und unfokussiert wirken, ist aber zugleich äußert anregend inszeniert.





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