VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Las Insoladas - Sonnenstiche
Las Insoladas - Sonnenstiche
© Real Fiction

Kritik: Las Insoladas - Sonnenstiche (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem Langfilmdebüt "Medianeras" (2011) entwarf der argentinische writer-director Gustavo Taretto ein Bild urbaner Einsamkeit – und hielt dabei Humor und Melancholie in bemerkenswertem Gleichgewicht. Sein neues Werk "Las Insoladas – Sonnenstiche" zeichnet sich indes durch eine grelle Buntheit aus, kombiniert mit Retro-Chic und temporeich dargebotenen Dialogen zwischen den sechs Akteurinnen. Die Gestaltung von Licht und Farbe, die Kostüm-, Make-up- und Requisitenwahl sowie die Inszenierung und schauspielerische Interpretation der Konversationsszenen führen zunächst einmal unweigerlich zu einer Zuordnung des Geschehens ins Fach der leichten Komödie.

Und "Las Insoladas" hat als bonbonbunte comedy mit ausgeklügelten Kompositionen, die wie poppige Postkartenmotive anmuten, auch ohne Zweifel einen gewissen visuellen Reiz. Schon das im Zeitraffer eingefangene "Aufwachen" der Stadt am Morgen, das den Film eröffnet, ist auf kitschige Weise wunderschön. Ebenso kann das muntere Geplauder der Freundinnen über den Sommer und die Sonne, über Aliens, Hunde und Männer für eine Weile mühelos für Unterhaltung sorgen. Auf die Dauer wäre dies allerdings zu wenig – und insbesondere nach Tarettos vielschichtigem Vorwerk eine herbe Enttäuschung.

Bald zeigt sich aber, dass der Argentinier mit seiner Ko-Drehbuchautorin Gabriela García Rivas eine Geschichte erzählt, die durchaus im Widerspruch zum präsentierten feel good movie-Look steht. Die politische und wirtschaftliche Lage des Landes wird von dem Sextett zwar nicht in aller Ausführlichkeit erörtert – in einzelnen Äußerungen schimmert das Grau der Wirklichkeit jedoch immer wieder durch den knalligen Farbanstrich hindurch. Wiewohl wir Karina, Sol, Vicky, Valeria, Flor und Lala ausschließlich im Strand-Outfit beim Sonnenbaden (sowie – als Abschluss – beim Salsa-Tanzen) erleben, erfahren wir in den Unterhaltungen der Gruppe von den prekären Situationen, in denen sich die Frauen befinden; einige werden ihre Berufe (etwa im Fotogeschäft oder Plattenladen) in absehbarer Zeit wohl nicht mehr ausüben können. Die Kuba-Reise, die sich im Laufe der Handlung zum Ziel der Protagonistinnen entwickelt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Wunschtraum bleiben. Während der tragische Anteil in "Medianeras" sichtbar neben dem komischen existierte, lauert er in "Las Insoladas" im Verborgenen – und entbirgt sich nach und nach, bis man erkennen muss, dass der strahlend blaue Himmel, die helle Stadtkulisse und die vielen quietschbunten Bildelemente nicht gegen die Tristesse ankommen können.

Fazit: Nahezu an einem einzigen Schauplatz gibt Gustavo Taretto Einblick in die Lebenssituation von sechs Frauen in Buenos Aires. Der Film kommt im farbenfrohen Gewand einer Wohlfühl-Komödie daher, ist in seiner Erzählung aber ganz und gar nicht naiv.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.