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Liebe mich!
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© Daredo Media GmbH

Kritik: Liebe mich! (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Liebe mich!" ist das Spielfilmdebüt von Philipp Eichholtz, der hier als writer-director-(co)producer fungierte. Innerhalb von zehn Tagen, auf der Basis eines sechsseitigen Skripts, hat er mit kleiner Crew und kleinem Ensemble einen knackigen 80-Minüter in Berlin gedreht – ohne Förderung (beziehungsweise: "von Oma gefördert"), nach den Richtlinien des "Sehr gute Filme"-Manifests von Axel Ranisch, Heiko Pinkowski, Dennis Pauls und Anne Baecker, welches unter anderem eine unabhängige Realisierung "in einem Schwung" sowie einen Mix aus Tragik und Komik vorsieht. Mit spürbarer Leidenschaft und reichlich Talent vor und hinter der Kamera ist ein German Mumblecore-Wunderwerk entstanden, das aller Formelhaftigkeit genüsslich den Mittelfinger entgegenstreckt.

Die Protagonistin aus "Liebe mich!" soll ein reales Vorbild haben. Eine filmische Liebeserklärung an eine charmant-sympathische Person zu drehen – das könnten nun gewiss viele. Eichholtz gelingt es in Zusammenarbeit mit seiner großartigen Hauptdarstellerin jedoch, einer vermutlich ziemlich anstrengenden Extrem-Persönlichkeit ein äußerst einnehmendes cineastisches Denkmal zu setzen – und dabei durchaus begreiflich zu machen, warum diese Sarah eine solche Faszination auszuüben vermag. Nie buhlt Meinhardt in ihrer Interpretation um unsere Sympathie – allein durch ihre umwerfende Präsenz weckt sie unser Interesse und bringt uns diesen unbändigen Menschen sehr, sehr nahe. Am Ende geht es uns mit der Filmfigur so ähnlich wie dem Vater und dem neuen Freund: Wir verstehen Sarah zwar nicht wirklich – aber sie hat sich, auf ihre ganz eigene Art und Weise, einen Platz in unseren Herzen erobert.

Sarahs Wankelmut und Wildheit werden gelegentlich kinematografisch erfahrbar gemacht – etwa durch freeze frames oder durch eine assoziative Montage; zudem sorgt das Naturell der Anfang-20-Jährigen dafür, dass die Auflösungen sämtlicher Sequenzen völlig unvorhersehbar sind: Vom glückseligen Bettgeflüster zur wüsten Beschimpfung braucht es hier nicht allzu viel. Zu den eindrücklichsten Momenten zählt ein von Vater und Tochter gründlich gegen die Wand gefahrenes Kaffeetrinken à quatre, bei dem Meinhardt und ihr kongenialer Spielpartner Peter Trabner zur Höchstform auflaufen – herrlich unterstützt von Eva Bay und Christian Ehrich. Letzterer verkörpert eine reizvolle love interest-Figur, die mit Ausflügen zum See, überraschenden Sahne-Snacks und einer erstaunlichen Nachsicht zu imponieren versteht. Insgesamt ist "Liebe mich!" ein Film, in welchem sich die Menschen streiten und umarmen, verletzen und heilen – und in welchem man als Zuschauer_in alles mitempfindet, den Schmerz und die Freude, den Zorn und die Zuneigung.

Fazit: Ein wuchtiger Schlag und eine zärtliche Berührung zugleich. Oder anders formuliert: Ein intensives Erlebnis für alle, die das Kino lieben.




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