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Jussi Adler Olsen - Erlösung
Jussi Adler Olsen - Erlösung
© NFP marketing & distribution © Warner Bros.

Kritik: Jussi Adler Olsen - Erlösung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

So poetisch Jussi Adler-Olsens Romantitel um die Kriminalfälle des Sonderdezernats Q im Original klingen, so plakativ sind deren deutsche Entsprechungen: Aus "Die Frau im Käfig" wird "Erbarmen", aus "Fasanenmörder" wird "Schändung", aus "Flaschenpost von P" wird "Erlösung". Vielleicht hatte der Däne Adler-Olsen ja das Pech, seinen Durchbruch direkt im Anschluss an den Erfolg der "Millennium"-Trilogie des 2004 verstorbenen und posthum publizierten Schweden Stieg Larsson zu feiern. Dessen Krimis um den Journalisten Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander heißen hierzulande ja bekanntlich "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung", was wiederum überhaupt nichts mit den Originaltiteln zu tun hat.

Die Titel sind nicht die einzige Parallele zwischen Adler-Olsen und Larsson. Bereits die ersten beiden Verfilmungen um den wortkargen, mürrischen Vizekriminalkommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und dessen Assistenten Assad (Fares Fares) erinnern visuell wie inhaltlich stark an die Leinwandversionen der "Millennium"-Trilogie. Düstere Sets, kühle, entsättigte Farben und Ausbrüche roher Gewalt waren deren Kennzeichen. Auch in "Erlösung" zeichnet wieder Nikolaj Arcel für das Drehbuch verantwortlich, der schon Larssons "Verblendung" fürs Kino adaptierte. Auf dem Regiestuhl hat hingegen der Norweger Hans Petter Moland den Dänen Mikkel Nørgaard abgelöst.

Erzählerisch bleibt alles beim Alten. Auch die dritte Verfilmung der bislang sechs Romane umfassenden Reihe ist kein whodunit, setzt stattdessen auf Suspense. Erneut ist der Täter schnell ermittelt beziehungsweise für das Publikum früh im Handlungsverlauf ersichtlich. Der Krimi bezieht seine Spannung folglich nicht aus der Aufklärung des Falls, sondern aus der bangen Frage, ob es den Ermittlern gelingt, den Mörder vor dessen nächster Tat dingfest zu machen. Moland setzt dabei auf einige spektakuläre Stunts und nervenaufreibende Rettungsaktionen, die allerdings – besonders im großen Finale – schlicht unrealistisch sind. Warum der Mörder wurde, was er ist, vermittelt der Regisseur wie gewohnt in Rückblenden, die an alte Super-8-Aufnahmen erinnern. Auch sonst orientiert sich "Erlösung" an der Düsternis der beiden Vorgänger, greift allerdings deutlich häufiger zur Handkamera und auf visuelle Analogien zurück.

Mit Moland ("Ein Mann von Welt", "Einer nach dem anderen") hält nun jedoch der für ihn typische schwarze Humor Einzug. In der mittlerweile deutlich gewachsenen Freundschaft zwischen Carl Mørck und Assad fällt neben Diskussionen um Glauben und Religion auch der eine oder andere Witz. Insgesamt kann aber auch Moland der Reihe (zu) wenig Neues hinzufügen. Kenner überrascht er damit nicht.

Fazit: Regisseur Hans Petter Moland setzt auf die Stärken der beiden Vorgänger unter der Regie Mikkel Nørgaards. Das macht "Erlösung" zu einem handwerklich solide inszenierten, düsteren, in seinen Höhepunkten blutigen, aber auch recht vorhersehbaren Krimi.




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