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Taxi - nach dem Roman von Karen Duve
Taxi - nach dem Roman von Karen Duve
© farbfilm verleih

Kritik: Taxi - nach dem Roman von Karen Duve (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vieles von dem, was die Schriftstellerin Karen Duve in ihrem 2008 erschienenen Roman "Taxi" erzählt, basiert auf ihren eigenen Erfahrungen als Taxifahrerin in Hamburg. In der Romanverfilmung, für die sie auch das Drehbuch schrieb, spielt Rosalie Thomass die coole, rebellische Alex, die vor lauter Angst, bevormundet zu werden, gefühlsmäßig niemanden an sich heranlässt. Das Taxifahren wird zu ihrer persönlichen Emanzipationsgeschichte, in der sie viel über sich selbst und andere Menschen lernt. Regisseurin Kerstin Ahlrichs erinnert in ihrer Inszenierung an die lakonisch-lässige Atmosphäre der achtziger Jahre und ihre Neonfarben.

Die blonde Alex sieht mit ihren rot geschminkten Lippen und der coolen Lederjacke wie die personifizierte Rebellion gegen spießbürgerliche Enge und vorgezeichnete Lebenswege aus. Das liegt vor allem auch daran, dass sie nicht lächelt und auch sonst wenig Interesse an ihren Mitmenschen zeigt. Kein noch so dummer Spruch kann sie aus der Fassung bringen, kein Annäherungsversuch scheint sie zu berühren. Rosalie Thomass hat in dieser Rolle gar nichts Lustiges oder Bayerisches mehr an sich und beweist, dass sie sich nicht auf das Genre der Heimatfilme reduzieren lässt. Die Rolle der Unnahbaren, die so wenig Charmantes über die Lippen bringt, steht ihr gut.

Allerdings beschränkt sich der typische selbstironische Humor des Romans hier allzu sehr auf das Voice-Over, das Alex spricht. In den Kontakten mit Fahrgästen, Kollegen und Freunden bleibt nur wenig Spielraum, um ihr inneres Erleben, den Clinch, den sie in Gedanken ständig mit sich und den anderen führt, zu schildern. Auch Peter Dinklage und Stipe Erceg können ihre Charaktere nicht tiefer ausloten, weil das offenbar gar nicht gewollt ist. Die Handlung konzentriert sich vielmehr auf die oberflächliche, bindungslose Art, wie Alex ihren Alltag lebt und auf ihre diffuse Sehnsucht nach Freiheit und Ausbruch. Auf ihren vielen Nachtfahrten begegnet sie den verschiedensten Typen, oft Betrunkene, die sie entweder mit Sprüchen bedrängen oder nicht zahlen wollen. Armin Rohde und Eisi Gulp haben zwei solcher Gastauftritte.

Neonlichter und grelle Farben spielen eine wichtige atmosphärische Rolle, die Impressionen der Nacht, der visuelle Kontrast von kühl und warm. Manchmal wird der Ton der Dialoge ausgeblendet oder von der Musik überlagert, die Stilrichtungen der achtziger Jahre aufgreift. Allgemein aber wirkt die Inszenierung allzu zurückhaltend und der allmähliche Stimmungswandel, der den Emanzipationsprozess von Alex im Roman so eindrucksvoll begleitet, wird nur sehr eingeschränkt vermittelt.

Fazit: Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Karen Duve taucht in die Atmosphäre der achtziger Jahre ein und erzählt von der inneren Emanzipation einer jungen Frau. Rosalie Thomass steht die Hauptrolle der coolen Rebellin gut, aber die feinen Zwischentöne und der ironische Humor des Buchs kommen nur sehr eingeschränkt zum Vorschein.





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