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Imagine waking up tomorrow and all music has disappeared
Imagine waking up tomorrow and all music has disappeared
© Real Fiction

Kritik: Imagine waking up tomorrow and all music has disappeared (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer mit Bill Dummonds Karriere nicht vertraut ist, dem wird vieles an Stefan Schwieterts Dokumentarfilm erst einmal rätselhaft vorkommen: Wer ist dieser Mann, der da vor die Kamera tritt und die Zuschauer auffordert, sich eine Welt ohne Musik vorzustellen? Und warum bittet er wildfremde Menschen auf der Straße darum, ein paar Töne in sein Mikrofon zu singen? Erst nach und nach klärt "Imagine Waking Up Tomorrow and All Music Has Disappeared" über das künstlerische Vorhaben Dummonds auf und beleuchtet schließlich auch den musikalischen Hintergrund seines Protagonisten.

In Zeiten, in denen jedes Leben über seinen eigenen Soundtrack verfügt und Musik überall und jederzeit mit einem Klick abrufbar ist, sucht Dummond nach Alternativen zum ausufernden Musikkonsum. Ein Rückzug in die Nostalgie ist für den Künstler dabei allerdings kein Ausweg, statt sich vom Digitalen abzuwenden und etwa altmodische CDs und Vinyl zur Lösung des Problems zu verklären, entzieht sich Dummond einfach ganz den üblichen Produktions- und Vermarktungsstrategien. Nur mit Hilfe der menschliche Stimme und frei von Sorgen um Hit-Tauglichkeit und technische Perfektion lässt er für seine experimentellen Scores unterschiedliche Menschen zu Sängern in seinem Chor The17 werden.

Als grobes Gerüst dienen dabei immer bestimmte, selbst auferlegte Aufgabenstellungen, die nach Manier des Situationismus formuliert sind und die Grenzen zwischen Alltag und Kunstwelt überschreiten. Schwieterts Film zeigt einige dieser Aktionen und versucht zudem zu verstehen, was Dummond bei seiner Arbeit antreibt. Dieser scheint das zwar selber nicht immer genau zu wissen, aber genau diese undogmatischen Offenheit verleiht dem Protagonisten eine charismatische Präsenz auf der Leinwand. Inszenatorisch bleibt der Dokumentarfilm eher unauffällig und stellt sich ganz in den Dienst von Dummonds Sache: Auf einen Soundtrack wird hier selbstverständlich verzichtet und auch für das in dunkler Anonymität hockende Kinopublikum hat sich der Musiker einen speziellen Score zum Mitmachen überlegt. Hier dürfen die Zuschauer am eigenen Leib erfahren, welche Gefühle von Neugier über Scham bis hin zur Verweigerung all die Mitglieder von The17 durchleben, die man in dieser unterhaltsamen Dokumentation kennenlernt.

Fazit: Stefan Schwieterts unterhaltsamer Dokumentarfilm stellt sich ganz in den Dienst des charismatischen Protagonisten Bill Dummond und zeigt eindrucksvoll, wie mit der Kraft der menschlichen Stimme Grenzen zwischen Alltag und Kunst überschritten werden.





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