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Giovanni Segantini - Magie des Lichts
Giovanni Segantini - Magie des Lichts
© mindjazz pictures

Kritik: Giovanni Segantini - Magie des Lichts (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine gespenstische Melancholie durchzieht Christian Labharts Dokumentarfilm und das nicht bloß, weil der Tod ein wiederkehrender Protagonist in "Giovanni Segantini – Magie des Lichts" ist. Geisterhaft erscheinen etwa auch die Aufnahmen vom modernen Mailand in der Abenddämmerung, mit denen der Regisseur die Biografie des Mitte des 19. Jahrhunderts geborenen Malers Segantini kontrastiert: Wenn Bruno Ganz aus dem Off aus den autobiografischen Aufzeichnungen des Künstlers vorliest und von dessen Jahren als Straßenkind berichtet, scheinen Segantinis Erfahrungen der Einsamkeit und des Verlassenseins immer noch durch die italienische Metropole zu spuken. Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen sich so auf reizvolle Weise.

Als zeitlos erweisen sich ebenfalls die feinen Beobachtungen seiner Umwelt, die Segantini in seinen Gemälden festgehalten hat. Dank des Kameramanns Pio Corradi gelingt es Labharts Dokumentation nicht nur einen Blick auf die malerischen Details von Segantinis Werk zu werfen, sondern auch eigene, sich am Meister orientierende Motive zu finden: Rauch- und Nebelschwaden treiben da durch die Luft, Schnee weht ebenso stürmisch wie lautlos und die Berge türmen sich zu bedrohlichen schwarzen Gipfeln. Dass sich diese traumhaft anmutenden Naturimpressionen einer verklärenden Idealisierung und großem Pathos entziehen, verbindet sie mit Segantinis Bildern. Denn trotz des Rückgriffs auf bäuerliche Szenen und ideologisch schnell unter Verdacht stehenden Bergpanoramen ist Segantini doch keineswegs ein Vertreter einer naiven, rückwärtsgewandten Heimatkunst.

So geschichtsvergessen, wie auch "Giovanni Segantini – Magie des Lichts" durch das Ausblenden von Zeit- und Kunsthistorie erst einmal erscheinen kann, ist der Film beileibe nicht. Sicherlich scheint der Blick auf das Privatleben und die persönlichen Vorstellungen des Malers das Interesse an seinen Gemälden zu Beginn auf eine rein biografische Lesart zu verkürzen. Doch auf subtile Art versteht es Christian Labhart durchaus, geistreiche Assoziationen darüber hinaus herzustellen und kritisch zu kommentieren: Corradis Kamera entdeckt da beispielsweise im Mailänder Bahnhof unserer Tage die Lichtstimmung aus Segantinis Chorgestühl von Sant’Antonio und an anderer Stelle wird auf die enge Verbindung von mythischen Naturidyllen und deren touristischer Erschließung angespielt, die auch schon zu Segantinis Zeiten stattfand: Zum entlegenen Sehnsuchtsort führt die Massen nämlich mittlerweile längst das nicht enden wollende Karussell der Sesselbahnen. Wie hier die Maschinerie der Lifte eingefangen wird, das ist wie so vieles in diesem Dokumentarfilm von gespenstischer Eleganz.

Fazit: Christian Labhart berichtet aus dem Leben des Malers Giovanni Segantini und kontrastiert dessen Werk auf ebenso reizvolle wie geistreiche Art mit Motiven unserer Zeit. Das Wechselspiel zwischen den Blick zurück und der kritischen Selbstreflexion gelingt nicht zuletzt dank der assoziativen Kameraarbeit von Pio Corradi.





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