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FBW-Bewertung: Marie Curie (2016)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: 1943, nur neun Jahre nach Marie Curies Tod, kam der erste Filmüber die bekannte Forscherin in die Kinos, inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Kino- und TV-Produktionen über die erste Frau, die mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Marie Noelle-Sehrs?MARIE CURIE? begleitet die Wissenschaftlerin über sechs Jahre ihres Lebens. 1903, als Marie und ihr Mann Pierre der Nobelpreis für Physik verliehen wird, scheinen die Curies auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Aber Pierre kommt nur wenig später bei einem Unfall ums Leben. Marie muss feststellen, dass eine Frau in der Welt der Wissenschaft nichts zu sagen hat. Dennoch forscht sie weiter und besteht mit überzeugenden Leistungen als Frau in einer Männerwelt.

Immer ist in Noelle-Sehrs Adaption zu spüren, dass Marie Curie mehr als eine Forscherin war, sie war ein menschliches Wesen mit authentischen Gefühlen. Das zeigte sich der Jury nicht nur, wenn sie als alleinerziehende Mutter zu sehen ist, sondern vor allem dann, wenn der Film über die ?Langevin-Affäre? berichtet, jenem Kapitel ausCuries Leben, das viele Vorgängerfilme sorgsam ausgespart haben. Der Jury gefiel, dass Marie Noelle-Sehr über den epochalen Skandal berichtet, denn dadurch erschafft die Regisseurin ein genauso authentisches, wie faszinierendes Zeiten- und Sittengemälde.

In der Diskussion zeigte sich die Jury begeistert von der Dramaturgie und derÄsthetik des Films. Regisseurin Marie Noelle-Sehr setzt auf eine angemessene, beinahe altertümlich wirkende Visualisierung. Mit ruhigen, wohltemperierten Szenen beweist sie ein gutes Gespür für die Zeit um die Jahrhundertwende. Dabei wechseln helle, lichtdurchflutete Außenaufnahmen mit düsteren Szenen aus dem Laboralltag. Und wenn Curie und Langevin sich verabreden, dann wirken die, bisweilen an impressionistische Gemälde erinnernden, Szenen eher wie das Leben der Pariser Künstler-Bohème, als an das von hochkarätigen Wissenschaftlen. ? Aber warum auch sollten Forscher nicht als romantische Wesen charakterisiert werden?

Mindestens genauso erwähnenswert erscheint der Jury der exzellent gewählte Cast. Insbesondere die Leistung der Hauptdarstellerin Karolina Gruszka hat überzeugt. Sie zeigt eine alleinerziehende Mutter und eine entschlossene Forscherin, eine Marie Curie, die genauso besonnen wie verletzlich wirkt, eine Frau, die nicht für den beruflichen Erfolg an sich steht, sondern für Gleichberechtigung mit den männlichen Kollegen.

?MARIE CURIE? ist ein feinfühliges Porträt über eine frühe Feministin, anspruchsvoll und ehrlich. Großartige Kinounterhaltung, die die Jury mit dem Prädikat besonders wertvoll auszeichnet.




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