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Kritik: Happy Hour (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Ausgangslage ist vielversprechend: Ein Softie, ein Macho und ein Besserwisser machen Urlaub in einem irischen Landhäuschen, um den Alltagsfrust hinter sich und alte Zeiten aufleben zu lassen. Tief in der Provinz ticken die Uhren anders. Hier verirren sich noch Kühe in den Garten, auf der kaum befahrenen Straße hat man die Ruhe weg, um mit dem Nachbarn von Autofenster zu Autofenster zu plaudern und abends singen die Einheimischen gemeinsam im Pub. Auf engstem Raum merken die drei Freunde jedoch schnell, dass sich keiner so richtig weiterentwickelt hat. Alte Konflikt brechen auf. Doch was nach einer explosiven Versuchsanordnung vor grünen Hügeln und rauer Küste klingt, verpufft allzu schnell.

Das liegt zum einen an der dürftigen Figurenzeichnung, die in Klischees verharrt. HC (Alexander Hörbe) ist der gutmütige Dicke, der partout nicht Nein sagen kann. Nic (Mehdi Nebbou) gibt den infantilen Frauenschwarm, der beim weiblichen Geschlecht partout nicht Nein sagen will, selbst wenn er damit seine Freundschaft zu Wolfgang aufs Spiel setzt. Wolfgang (Simon Licht) schließlich ist der pedantische Anführer, der sagt, wo es langgeht. Selbstredend hat Letzterer aber selbst keine Ahnung und übertüncht seine eigene Krise mit kraftmeierischer Rechthaberei. Am Ende lernt HC dann doch noch, anderen Grenzen aufzuzeigen. Allerdings ganz anders, als Wolfgang sich das von ihm wünscht. Soweit, so vorhersehbar.

Regisseur Franz Müller lässt seine Schauspieler improvisieren. In Kombination mit Bernhard Kellers enger, aber nie aufdringlicher Kameraführung soll das wohl die Authentizität des Gezeigten steigern. Doch die scheinbar lebensechten Dialoge wirken gekünstelt, schaffen mehr Distanz denn Nähe. Voll und ganz nimmt man keinem der drei Hauptdarsteller seine Rolle ab. Sie sehen über weite Strecken so aus, als blickten sie sich beim Spielen permanent über die eigene Schulter. Ihre weiblichen Pendants Susan Swanton und Christine Deady machen ihre Sache deutlich besser.

Auch die schroffe Schönheit der irischen Landschaft vermag Müller nicht recht zu nutzen. So uninspiriert sah Irland selten auf der großen Leinwand aus, wie "Happy Hour" überhaupt mehr nach Fernsehen denn nach Kino ausschaut. Und so hat Müllers Film seine stärksten Momente nicht im Aufeinanderprallen der drei Freunde, sondern immer dann, wenn eine Figur – egal ob Schauspieler oder echter Kneipengast – ein trauriges Lied anstimmt. Dem Zuschauer geht es nach dem Kinobesuch ein bisschen wie Nic nach der Reise. Als dessen Freundin fragt, ob der Kurztrip gut war, entgegnet er: "Naja, geht so. Aber ich bin froh, wieder zu Hause zu sein."

Fazit: In seinem jüngsten Film lotet Franz Müller die Untiefen einer Männerfreundschaft aus. Was durchaus amüsant beginnt, kommt jedoch nie über die gängigen Klischees hinaus. Das hat man alles schon deutlich tragischer, komischer oder irgendwie unterhaltsamer gesehen.





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