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Kritik: Dürrenmatt (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine Liebesgeschichte verspricht der Untertitel zu Sabine Gisigers Dokumentarfilm über Friedrich Dürrenmatt, die Ehe mit seiner ersten Frau Lotti soll im Mittelpunkt stehen. Doch auch wenn Gisiger die Kinder des Schweizer Schriftstellers dazu bewegen konnte, vor der Kamera erstmals über das Familienleben und die Eltern zu sprechen, so ist es doch der Dramatiker selber, dessen Gedanken und Arbeit immer wieder ins Zentrum drängen.

Lotti Dürrenmatt-Geissler bleibt dabei nur eine Anekdote unter vielen und auch die Talking-Head-Interviews mit den Kindern Peter und Ruth sowie Dürrenmatts Schwester Veronika werden zu Beiwerk, wenn Gisiger Friedrich Dürrenmatt durch Archivmaterial zu Wort kommen lässt. Mal auf Schweizerdeutsch, mal auf Hochdeutsch spricht der Künstler in zahlreichen alten Aufnahmen von seiner Sicht auf die Welt, auf die Literatur und den Tod – das ist durchaus charismatisch und anregend, doch die persönliche Ebene, die der Titel des Films suggeriert, wird dabei nur oberflächlich berührt.

So lebt Gisigers Film vor allem von der intellektuellen Strahlkraft seines Protagonisten, der man sich nur schwer entziehen kann, und weniger von der Inszenierung der Regisseurin. Dazu fehlt es der Regie zu sehr an einem Fokus sowie erzählerischer Stringenz. Letztlich ist es dann dann doch Dürrenmatts berühmte zweite Ehefrau, die im Film weitaus präsenter ist als Lotti Dürrenmatt-Geissler: Einige der besten Szenen aus "Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte" stammen nämlich aus Charlotte Kerrs "Portait eines Planeten", der filmischen Annäherung der Regisseurin Kerr an ihren damaligen Ehemann.

Fazit: Sabine Gisigers Dokumentarfilm leidet an einem fehlenden Fokus und erzählerischen Schwächen. Das umfangreiche Archivmaterial, das Dürrenmatt selber zu Wort kommen lässt, ist hingegen anregend und aufgrund der intellektuellen Strahlkraft des Schriftstellers faszinierend.





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