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Monsieur Chocolat
Monsieur Chocolat
© DCM GmbH

Kritik: Monsieur Chocolat (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Leben eines Clowns ist bekanntlich in der Regel viel weniger lustig als seine Bühnenprogramme. Das gilt erst recht für den ersten schwarzen Zirkusartisten Frankreichs, Rafael Padilla. Er gibt an der Wende zum 20. Jahrhundert in Paris den dummen August für seinen weißen Partner in einem Duo, das die Clown-Programme in der Manege revolutioniert. Die Slapstick-Sketche von "Footit und Chocolat" werden vom Publikum bejubelt. Viele Weißen jener Zeit betrachten einen "Neger" als Jahrmarktsattraktion, als Bindeglied zwischen Mensch und Affe. Padilla verdient viel Geld, aber er will sich nicht immer nur zum Narren machen und verprügeln lassen, sondern auch als Künstler akzeptiert und respektiert werden. Der Regisseur Roschdy Zem spürt in seinem Drama sehr differenziert und bewegend dem Schatten nach, den der Rassismus jener Zeit auf Padillas Leben geworfen haben muss.

Für einen der Sklaverei entflohenen schwarzen Migranten – sparsame Rückblenden erzählen von seinen traumatischen Kindheitserinnerungen - , bringt es Chocolat in Paris zu erstaunlichem Ruhm. Sogar ein Automobil kann er sich leisten! Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") spielt den Mann unvergleichlich optimistisch und hart im Nehmen. Chocolats humorvolle, zugewandte Art durchzieht auch seine Slapstick-Nummern in der Manege und es wird schnell klar, dass das Publikum ihm nicht nur als dem dummen August, sondern vielmehr als einem Sympathieträger applaudiert. Im Laufe der Geschichte wird Omar Sys Spiel immer ernster, gar schmerzlich. Dabei ist lange Zeit Footit für das Ernstsein zuständig und muss sich von Chocolat fragen lassen, warum er denn nie lache. James Thiérrée, ein Enkel Charlie Chaplins, spielt Footit als aufrichtigen Mann, dem die Karriere wichtiger als alles andere ist und der traurigerweise nicht rechtzeitig erkennt, was seine Aufgabe als Chocolats Freund wäre. Die emotionale Beziehung und die professionelle Partnerschaft dieser beiden Männer ist in diesem Film ihrer Zeit voraus und muss sich doch auch ihren Regeln beugen. Dieser Zwiespalt verleiht dem Drama tragische Tiefe.

Der Regisseur inszeniert mit viel Sinn für Zeitkolorit, für den Look und die Umgangsformen der Epoche. Die Zirkus-Sketche des Duos und der "Othello"-Auftritt Padillas bilden spannende Höhepunkte. Am Schluss sieht man noch eine Originalaufnahme des historischen Clown-Duos. Vor allem die sorgfältige Figurenzeichnung hebt dieses unterhaltsame Drama weit über den Durchschnitt hinaus.

Fazit: Das bewegende, differenziert erzählte Drama ist die fiktionalisierte Geschichte des ersten schwarzen Zirkusclowns in Paris, der um die Wende zum 20. Jahrhundert mit seinem weißen Manegenpartner für Furore sorgt. Omar Sy spielt den Titelcharakter, der nach den Sternen greift, sehr bewegend und kraftvoll. Der Rassismus der Epoche wird aus der historischen Truhe ans Tageslicht geholt und verleiht dem Stoff tragische Tiefe.





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