VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Malala - Ihr Recht auf Bildung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mittlerweile kennen viele die Autobiografie "Ich bin Malala" der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die 2014 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Regisseur Davis Guggenheim ("Eine unbequeme Wahrheit") interessiert sich in seinem Dokumentarfilm sowohl für ihre Geschichte, als auch für die Atmosphäre in ihrem Elternhaus und dafür, wie die Jugendliche mit dem Leben in der Fremde, den Folgen des Attentats und der medialen Aufmerksamkeit umgeht. Malala wirkt wie ein ganz normales, fröhliches Mädchen, das sich den Mund nicht verbieten lässt.

Auch in England macht Malala das Lernen großen Spaß. Als Muslimin, die die Haare lose mit einem Schal bedeckt, fühlt sie sich in ihrer neuen Klasse immer noch ziemlich fremd. Die anderen Mädchen hätten bereits Freundschaften mit Jungen, sagt sie, was für sie so nicht infrage zu kommen scheint. Dennoch weigert sie sich, alle Gebote ihrer Mutter zu befolgen: Zum Beispiel senkt sie den Blick nicht, wenn sie Männern begegnet. Man hätte gern mehr erfahren über das Spannungsfeld zwischen Religion, Familie und westlicher Gesellschaft, in dem die Jugendliche ihren Platz sucht. Aber Guggenheim insistiert nicht weiter, wenn eine Frage Malala in Verlegenheit bringt. Er respektiert ihr Recht auf Privatsphäre, das in ihrem zarten Alter besonders wichtig ist.

Breiten Raum nehmen die Erinnerungen Malalas und ihres Vaters an das Leben in Pakistan ein. Zu den Off-Erzählungen gibt es sowohl handgezeichnete Animationen, als auch spannendes Archivmaterial: Darauf sieht man die bewaffneten Taliban durch die Straßen ziehen und hört die per Lautsprecher übertragenen Radio-Botschaften ihres Anführers. Guggenheim begleitet Malala und ihren Vater auch ins Ausland, zum Beispiel zu den nigerianischen Eltern, deren Töchter von der Terrormiliz Boko Haram entführt wurden. Malalas Präsenz lenkt den Blick der Weltöffentlichkeit zumindest für kurze Zeit dorthin, wo Kinder nicht in Frieden aufwachsen und ungestört zur Schule gehen können.

Malala ist die Tochter geworden, die sich der Vater wünschte, aber nicht seine Marionette. Für beide steht islamische Religiosität nicht im Widerspruch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Diese Auffassung gibt es also auch, nur hat sie sich im westlichen Kulturkreis noch wenig herumgesprochen. Malalas berühmter Satz, "Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern", verweist darauf, dass Bildung der Königsweg in eine selbstbestimmte Zukunft ist. Diese Botschaft bildet den Kern dieses bewegenden Porträts einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Fazit: Davis Guggenheims Porträt der jugendlichen Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai rekapituliert nicht nur ihre bewegende Geschichte, sondern beobachtet sie auch im Kreis ihrer Familie im englischen Exil. Der natürliche Charme der lebhaften Protagonistin ist die schönste Entdeckung in diesem sorgfältigen und vielschichtigen Dokumentarfilm.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.