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Nicht schon wieder Rudi!
Nicht schon wieder Rudi!
© Macchiato Pictures

Kritik: Nicht schon wieder Rudi! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Nicht schon wieder Rudi!" ist ein Film vom türkisch-stämmigen Schauspieler, Produzenten und Regisseur İsmail Şahin, der den Film gemeinsam mit seiner Frau Oona Devi Liebich inszenierte. Beide sind auch im Film als Darsteller zu sehen. Şahin zählt seit Jahren zu den bekanntesten deutschen TV-Gesichtern, so wirkte er u.a. in erfolgreichen und populären Serien wie "SOKO Leipzig", "Der Landarzt" oder "Der Staatsanwalt" mit. Mit "Nicht schon wieder Rudi!" gelingt ihm eine zwar harmlose, aber zu jederzeit charmante und sympathische Tragikomödie, die beweist, dass man mit den emotionalen und "schweren" Themen 'Alzheimer' sowie 'zwischenmenschlicher Konflikt' auch locker-leicht und unbeschwert umgehen kann.

Der Film lebt in erster Linie von der Leidenschaft und Spielfreude der Darsteller und den schrulligen Figuren, die sie verkörpern. Der Film ist ein Ensemble- bzw. Schauspieler-Film, im ganzen Film kommen nicht viel mehr als die fünf Hauptpersonen und eine alte Dame im Ort vor. Da ist zum einen der knurrige, miesepetrige Brummbär Bernd, der unter zunehmendem Gedächtnisverlust leidende Klaus, der emotionale und nachdenkliche Peter, dessen heimliche Homosexualität im weiteren Verlauf des Films für Verwirrung sorgt, und schließlich Murat, dessen Selbstverliebtheit und Arroganz den Freunden schnell auf die Nerven geht. Dass Murat aber gar nicht so arrogant, sondern ein herzensguter Mensch ist, steht am Anfang freilich noch nicht fest. Außerdem hat Klaus ja noch eine ganz persönliche Rechnung mit dem Schwerenöter zu begleichen, schließlich brach er vor kurzem das Herz seiner geliebten Tochter.

Die Kabbeleien und Streitereien zwischen den so unterschiedlichen Protagonisten, die ein ums andere mal sogar fast in eine Schlägerei münden, sind unterhaltsam und heiter mit anzusehen. Die ohnehin angespannte Lage wird noch brenzliger, als Klaus nach einem Schlag auf den Hinterkopf eklatante Gedächtnislücken aufweist und bald der Überzeugung ist, sein vor Jahren verstorbener Hund Rudi sei noch am Leben. Die Suche nach dem Hund entwickelt sich zum im Film immer wieder aufkommenden "Running Gag" in der Handlung, etwa wenn die Truppe immer öfter geschlossen Waldwanderungen vollzieht, stets auf der Suche nach dem Hund, der ja längst nicht mehr existiert. Dieses Handlungselement ist dabei aber weniger Gag, da schlicht nicht ausreichend witzig, als vielmehr Stilmittel, das die Handlung vorantreibt und auch immer wieder neue Figuren einführt, wie etwa die von Oona Devi Liebich verkörperte Dorfbewohnerin Sophie, die den Womanizer Murat am Ende schließlich zähmt.

Zwar wirkt das Ende ein wenig bemüht und arg mit Gewalt auf Happy-End getrimmt, aber es ist schlicht exakt so, wie sich der gesamte Film und seine Stimmung gestalten: ein liebenswerter, angenehmer Film über ein zentrales Thema unserer immer älter werdenden Gesellschaft: Alzheimer. Wenn Klaus, dessen wahrer Gedächtnislücken-Grund den Freunden nur allmählich klar wird, nur in Unterwäsche bekleidet durch das nahe gelegene Dorf läuft und es dort zu einer illusteren, amüsanten Begegnung mit einer ältere Dame kommt, dann ist das ein entspannter, lobenswerter Umgang mit diesem Thema.

Fazit: Charmante und locker-leichte Tragikomödie über ein emotionales Thema, deren gut aufgelegter Cast und die witzigen Story-Einfälle die Schwächen beim gewollten Happy-End und einigen fehlgeschlagenen Gags wieder wettmachen.




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