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Kritik: Riverbanks (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Jahr 2014 waren in Europa so viele Menschen auf der Flucht wie seit 1945 nicht mehr, die Zahl der Flüchtlinge hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Auch das Kino entdeckte dieses Thema zuletzt vermehrt für sich, als gelungene Beispiele gelten "Mediterranea", "Dämonen und Wunder" und auch die griechische Produktion "Riverbanks". Der griechische Regisseur Panos Karkanevatos zeigt mit seinem mitreißenden Thriller-Drama, dass nicht nur Lampedusa oder Gibraltar die Orte sind, an denen die Flüchtlinge häufig stranden bzw. auf der Hauptfluchtroute liegen, sondern eben auch das Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland sowie jener Fluss Evros. Diese Tatsache findet man in den Medien kaum wider. Karkanevatos gründete 1993 eine eigene Filmproduktionsfirma, die seitdem unzählige gefeierte und preisgekrönte Filme produziert hat. "Riverbanks" reiht sich hier nahtlos ein.

"Riverbanks" lebt vor allem von seiner ausgewogenen Mischung aus leisen, gefühlvollen Sequenzen bzw. Untertönen und actionreichen Thriller-Elementen. Dadurch, dass der Film auch den Alltag der Drogenschmuggler und vor allem der Schleuserin Chryssa zeigt, werden auch die Sorgen, Nöte und Beweggründe dieser Gruppe von Menschen deutlich, die in vielen anderen Filmen zum Thema kaum Beachtung finden. Mit klassischen Mustern des Thrillers gewährt er somit nicht nur einen Einblick in den von Angst, Tod und Unsicherheit geprägten Alltag der Flüchtlinge, sondern auch in das Leben derjenigen, die oft verteufelt werden und denen man nicht selten einen Großteil der Schuld für das Unheil gibt: der Schmuggler und Schleuser. "Riverbanks" macht aber deutlich - vor allem in der Figur von Chryssa - dass hinter deren Taten nicht selten auch Verzweiflung und der unbedingte Überlebenswille stehen.

Gewaltige Spannung kommt dabei immer wieder auf, wenn die Drogentransporte aufzugfliegen drohen oder sich die Schmuggler wieder und wieder auf dieses Spiel mit dem Feuer einlassen. Sollten die Drogen entdeckt werden, droht gewaltiges Unheil. In all dieser Konfusion, diesem hektischen Treiben an der Grenze, treffen zwei einsame, emotionale Seelen aufeinander. Chryssa trifft eines Tages nämlich auf den griechischen Soldaten Yannis, der gedankenverloren und verbittert seiner gefährlichen Arbeit nachgeht: dem Räumen der Minenfelder aus dem Zypernkonflikt. Die beiden Einzelgänger verlieben sich bald ineinander und an dieser Stelle konzentriert sich der Film ganz auf die Gefühle und die Menschlichkeit seiner Figuren. Er gewährt innige, intensive Einblicke in die Hoffnungen und Ängste eben nicht nur der Flüchtlinge, sondern auch der beteiligten Grenzer und Schleuser. Das macht den Film so universell: er beleuchtet alle Seiten und hinterfragt Antrieb, Motivation und Ängste aller Involvierten.

Fazit: Mit Versatzstücken des Thrillers angereichertes, spannendes und hochaktuelles Flüchtlingsdrama über zwei Einzelgänger, deren Liebe zueinander die Motivation für den Kampf um eine neues Leben darstellt.





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