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Aus unerfindlichen Gründen
Aus unerfindlichen Gründen
© dejavu filmverleih

Kritik: Aus unerfindlichen Gründen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Vom Slackerdasein junger Männer, ihren Neurosen sowie der Suche nach einer passenden Frau und einem sinnvollen Lebensentwurf erzählt das Kino immer wieder gerne – so auch Gábor Reisz' verspieltes Debüt mit dem leider wenig aussagekräftigen Titel "Aus unerfindlichen Gründen". Der ungarische Regisseur und Drehbuchautor folgt in seiner episodisch angelegten Komödie dem schüchternen Protagonisten Áron und blickt dabei mit lakonischem Humor auf Ungarns junge Generation zwischen Lebenslust und Perspektivlosigkeit.

Der Produktion ist das nicht allzu hohe Budget dabei durchaus anzumerken, doch Reisz nutzt die begrenzten Mittel, um seinen Film zu erden: Die leicht zittrige Handkamera, matte Farben und alltägliche Schauplätze erzeugen gemeinsam mit dem oft improvisiert wirkenden Dialogen lebensnahe Situationen und authentische Figuren. Schnitt und Soundtrack pointieren das bisweilen dokumentarisch anmutende Geschehen, während zahlreiche surreale Details für skurrile Momente sorgen.

Musicaleinlagen, Erinnerungen in VHS-Qualität sowie Traumsequenzen durchbrechen den eher unaufgeregten Film und lassen mit ihrem stilsicheren Gespür für Abwegiges an die Werke Michel Gondrys oder Miranda Julys denken. Ebenso kann einem hin und wieder Joachim Triers "Auf Anfang" (2006) in den Sinn kommen, wenn die Montage offensichtlich der Nouvelle Vague huldigt und deren Eigenheiten für ein modernes Publikum verwertbar machen will.

Von den großen Vorbildern trennt Reisz' Komödie jedoch, dass bei ihm keine rechte Dynamik aufkommen will und der große erzählerische Bogen immer wieder zusammenklappt. So lebt "Aus unerfindlichen Gründen" ganz von der Kraft seiner einzelnen Episoden, die mal stärker und mal schwächer sind. Am Ende überwiegen jedoch die gelungenen Szenen und Einfälle und machen vor allem neugierig auf das, was da in Zukunft noch von Gábor Reisz kommen mag. Denn allein schon wie der Filmemacher er versteht, seinen Abspann im wahrsten Sinne des Wortes zum Laufen zu bringen ist sehenswert.

Fazit: Gábor Reisz vielversprechendes Kinodebüt erzählt auf den Spuren von Michel Gondry und Miranda July vom Leben junger Menschen in Budapest. Es mangelt zwar an Dynamik, aber die episodisch angelegte Komödie kann mit lebensnahen Figuren und zahlreichen skurrilen Einfällen überzeugen.




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