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Kritik: Cartel Land (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Matthew Heinemans Film hat alle Zutaten eines Actionthrillers: Er folgt mit der Handkamera Männern, die im Kugelhagel stehen und Gebäude stürmen. Er zeigt Chrystal-Meth-Köche bei der nächtlichen Arbeit und dringt ins Machtzentrum einer militanten mexikanischen Bürgerwehr vor. "Cartel Land" ist ein Dokumentarfilm, der unter Lebensgefahr gedreht wurde und enthüllt, wie sich Bürger der Mafia der mexikanischen Drogenkartelle in den Weg stellen. Vor allem der in Mexiko gedrehte Teil des Films, der eine "Autodefensa"-Gruppe und ihren charismatischen Anführer begleitet, entwickelt eine atemberaubende Spannung. Dass die Drogenkartelle das Land mit Mord und Terror überziehen, hat sich herumgesprochen, aber dass die Bevölkerung mancherorts dagegen mit Waffengewalt revoltiert, ist weniger bekannt. Der Film verschafft aus nächster Nähe Einblicke in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand, in dem die staatliche Gewalt außer Kraft gesetzt ist. "Cartel Land" wurde auf dem Sundance Film Festival 2015 für die beste Regie und die beste Kamera in der Sparte amerikanischer Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der Mexikaner Mireles führt eine Arztpraxis, seine Mitstreiter arbeiten als Handwerker und in anderen zivilen Berufen. Aber dann fahren sie mit ihren Gewehren los, um Gefangene zu machen. Das Prinzip, mit dem sie nationalen Ruhm erlangen, ist, die "Tempelritter" systematisch in ihren Häusern und Verstecken aufzuspüren und zu vertreiben. Danach sollen die Bewohner selbst zur Waffe greifen und dafür sorgen, dass die Gangster nicht zurückkehren. Mireles und seine Männer wirken zunächst wie Lichtgestalten, aber dann wird klar: Auch sie foltern und töten, verbreiten Angst und Schrecken. Bald verändert sich die "Autodefensa" von innen heraus: Einige Mitglieder schließen sich dem Kartell an. Diese Entwicklung demonstriert der Film dramaturgisch sehr geschickt anhand einer überraschenden Pointe.

Heineman versucht die Vor- und Nachteile auszuloten, die entstehen, wenn Bürger wie hier das Recht selbst in die Hand nehmen. Den Amerikaner Nailer stört es nicht, dass zu seiner privaten Grenzpatrouille in Arizona auch ausgesprochene Rassisten gehören. Auch dass er selten jemanden fängt, lässt ihn nicht am Sinn seiner Mission zweifeln. Die Polizei in Tucson sei einfach zu weit weg, sagt er. Dass Bürger dem mörderischen Wüten der Drogenkartelle Einhalt gebieten wollen, erscheint lobenswert. Aber dass Individuen überfordert sind, wenn sie die Staatsgewalt eigenmächtig ersetzen, wird ebenfalls deutlich.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Matthew Heineman begleitet eine mexikanische Bürgermiliz bei ihren bewaffneten Einsätzen gegen ein Drogenkartell und porträtiert ihren charismatischen Anführer. Auch in Arizona wird eine private Grenzpatrouille vorgestellt. Vor allem der in Mexiko gedrehte Teil ist spannend wie ein Thriller, wenn er den Siegeszug der militanten Bürgerwehr ebenso wie ihre innere Zersetzung verfolgt.





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