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Kirschblüten und rote Bohnen
Kirschblüten und rote Bohnen
© Neue Visionen

Kritik: Kirschblüten und rote Bohnen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Naomi Kawases "Kirschblüten und rote Bohnen" besticht gleich zu Beginn dank der unverwechselbaren Handschrift der japanischen Regisseurin und unterhält mit zu erwartenden Qualitäten: Beinahe vollkommen ohne Worte führt Kawase in ihr Drama ein, stattdessen sind es die Bilder und Töne, die das Publikum begleiten und fesseln. Zwischen dokumentarisch anmutenden Aufnahmen, die sorgsam Gesten und Handgriffe einfangen, sowie einer rhythmischen Montage entfaltet sich so ein poetischer, beinahe märchenhafter Plot.

Die Handlung ist dabei recht simpel strukturiert, aber steht im Vergleich zu anderen Filmen Kawases zugleich deutlicher im Fokus. Dennoch bestimmen auch in "Kirschblüten und rote Bohnen" wieder zahlreiche Naturimpressionen und von der eigentlichen Geschichte losgelöste Momente die ruhige, mitunter nachdenkliche Atmosphäre des Films. Dass das nicht langweilt, ist ist in erster Linie dem präzisen und unaufgeregten Spiel der beiden Hauptdarsteller Kirin Kiki und Masatoshi Nagase zu verdanken, die ihren Figuren Glaubwürdigkeit verleihen.

Ab der Mitte verdichten sich die dramatischen Konflikte schließlich und führen den Film hin zu einer typischen Arthouse-Erzählung, die zudem leise sozialkritische Töne anschlägt. Betrachtet man zum Beispiel Kawases letzten Spielfilm "Still the Water" (2014) ist das deutlich konventioneller und daher auch ein wenig schwächer als frühere Arbeiten der Filmemacherin. Dennoch wird auch hier spürbar, was Kawases Werk ausmacht: Dieses ist nämlich keinesfalls esoterisch, wie so mancher Kritiker moniert, sondern im Gegenteil von einer großen Klarheit, die nebulöser Mystik und obskuren Weisheiten eine Absage erteilt. Diese geradezu plakative Einfachheit scheint jedoch manchen westlichen Betrachter vor eine Herausforderung zu stellen, nämlich der, nicht stets nach tieferen Bedeutungen zu graben oder alles als Metapher zu begreifen, die sich so leicht übersetzen ließe.

Fazit: Im Vergleich zu früheren Arbeiten Naomi Kawases ist dieses unaufgeregte Drama eher konventioneller ausgefallen. Dennoch ist auch hier die unverwechselbare, von Klarheit geprägte Handschrift der Regisseurin spürbar. Sehenswert wird der Film allerdings erst durch das präzise und glaubwürdige Spiel der beiden Hauptdarsteller.





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