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Paco de Lucia - Auf Tour
Paco de Lucia - Auf Tour
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Paco de Lucia - Auf Tour (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Paco de Lucía nimmt es ganz genau. Akribisch, beinahe versessen feilt sich der Musiker vor jedem Auftritt seine Fingernägel. Für ein perfektes Spiel sei das nötig. Und wenn er dann die ersten Töne auf seiner Gitarre anschlägt, wissen die Kinozuschauer warum. Selbst wem der Flamenco völlig fremd ist, kann sich de Lucías Rhythmus und Virtuosität kaum entziehen. Dessen Hit "Entre dos Aguas", der ihm 1973 den internationalen Durchbruch bescherte, hat fast jeder schon einmal gehört. Dass ihm der Erfolg nicht einfach in den Schoss gefallen ist, macht de Lucía leise, aber nachdrücklich klar. An Genies glaubt dieser Mann nicht, nur an Talent und harte Arbeit.

Für seinen Dokumentarfilm hat Paco de Lucías Sohn Curro Sánchez seinen Vater vor die Kamera gebeten. Der deutsche Untertitel "Auf Tour" führt etwas in die Irre. Zwar ist der Musiker bei Proben und Auftritten zu sehen, "Paco de Lucía" ist jedoch kein Konzertfilm. Den Rahmen bilden Gespräche, in denen de Lucía seine Karriere Revue passieren lässt. Curro Sánchez unterfüttert das mit Archivmaterial und Aussagen zahlreicher Weggefährten; schreitet so ganz klassisch die Stationen dieses bewegten Lebens chronologisch ab.

Mit dem Erfolg kommen auch die Neider. Selbsternannte Puristen des Flamencos lehnen de Lucías Öffnung zum Jazz und zur Klassik ab. Auch über diese Konflikte spricht der Musiker, lässt die Zuschauer an seinen Selbstzweifeln, die sich mit dem Erfolg und den gewachsenen Ansprüchen einstellten, teilhaben. Wenn sich der schüchterne und extrem zurückhaltende Musiker vor der Kamera öffnet, ist der Film am stärksten. Denn tiefere Einblicke gewährt de Lucía nicht. Seine Dämonen, die er zwar andeutet, jedoch nicht konkretieisert, nahm er mit ins Grab. 2014 starb Paco de Lucía noch vor Ende der Dreharbeiten unerwartet an einem Herzinfarkt. Statt dem Film einen künstlichen Schluss aufzupropfen, lässt Curro Sánchez die Musik seines Vaters für sich selbst sprechen. Das sind die anderen starken Momente dieses Dokumentarfilms, wenn de Lucía in seinem Spiel ganz bei sich selbst ist und sich in seiner Musik verliert.

Fazit: "Paco de Lucía" setzt dem 2014 verstorbenen Gitarristen ein filmisches Denkmal. Regisseur Curro Sánchez ist ein einfühlsames, aber auch sehr konventionelles Porträt seines Vaters gelungen. Berufliche Konflikte spart der Film größtenteils, das Privatleben ganz aus. Für diese Mängel entschädigt das großartige Gitarrenspiel, das auch Musikliebhaber begeistern dürfte, denen Flamenco bislang eher fremd gewesen ist.




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