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Unser letzter Sommer
Unser letzter Sommer
© farbfilm verleih

Kritik: Unser letzter Sommer (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

So manchen Zuschauer mag schon allein der Gedanke an die schiere Masse von Kriegsfilmen, die Jahr für Jahr im Kino zu sehen sind, ermüden. Vor allem deutsche Produktionen widmen sich mit routinierter Selbstverständlichkeit immer wieder dem Zweiten Weltkrieg und der Nazi-Diktatur – manchmal durchaus ästhetisch herausfordernd und inhaltlich anregend, allzu oft aber doch bloß mit leeren Relevanzgesten um sich werfend.

Die deutsch-polnische Kooperation "Unser letzter Sommer" unter der Regie von Michal Rogalski fällt eindeutig in letztere Kategorie, obwohl bisweilen doch die Bemühungen spürbar werden, einen andere Geschichte zu erzählen. Denn das Grauen des Krieges prägt zwar die düstere Stimmung des Dramas, wird dabei meist allerdings nur angedeutet. Im Mittelpunkt steht nicht der Horror an der Front oder das Leid der Millionen Opfer der Shoah, sondern das Schicksal zweier gewöhnlicher Jugendlicher, deren Alltag nach und nach vom Krieg verschlungen wird.

So folgt "Unser letzter Sommer" oftmals den Mustern des Coming-of-Age-Films und setzt dem martialischen Treiben die unschuldigen Träume und Sehnsüchte seiner Protagonisten entgegen: Beschwingter Jazz ist da etwa aus dem Radio zu hören, ein junges Paar streift durch das hohe Gras und selbst die flüchtende Jüdin verheißt in erster Linie Sinnlichkeit – das Verarzten ihrer Wunde muss befremdlicherweise als erotischer Moment herhalten.

Während der Ansatz parallel von einem deutschen Besatzer sowie einem polnischen Einheimischen zu erzählen nicht uninteressant ist und das Aufeinandertreffen der beiden jungen Männer für Spannung sorgt, so bietet Rogalskis Film doch vor allem altbekannte Klischees: Die Haushälterin ist patent, die Bauerntochter süß, der Oberleutnant sadistisch und mittendrin gibt Jonas Nay einmal mehr den netten Jungen von nebenan, der irgendwo hineingerät.

Handwerklich ist das zwar solide, aber zugleich auch recht beliebig in Szene gesetzt. Die moralischen Dimensionen des Stoffes werden nicht ausreichend ausgelotet und die Nebenfiguren bleiben blass, was besonders bei den Rollen der jungen Frauen bedauernswert ist.

Fazit: Michal Rogalskis Drama erzählt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs eine Coming-of-Age-Geschichte, die recht beliebig und allzu klischeehaft inszeniert ist. Die moralischen Dimensionen des Stoffes werden dabei trotz interessanter Ansätze nur oberflächlich betrachtet.





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