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Kritik: Sture Böcke (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits in den ersten Minuten von "Sture Böcke" wird deutlich, wie gekonnt der Regisseur und Drehbuchautor Grímur Hákonarson sein Drama inszeniert: Mit Unterstützung der präzisen Montage sowie Sturla Brandth Grøvlens ("Victoria", 2015) achtsamer Kameraarbeit führt der isländische Filmemacher nicht nur in seinen filmischen Kosmos ein, sondern legt auch beinahe ohne Dialoge die zentralen Konflikte seiner Figuren dar. Die Hintergründe für den Zwist zwischen den Brüdern Gummi und Kiddi werden zwar nicht erläutert, aber der tiefe Groll zwischen den Männern wird ebenso spürbar wie die große Liebe, die die beiden Schafzüchter für ihre Tiere empfinden.

Während das dörfliche Setting mit seinen ebenso schweigsamen wie sturen Bewohnern in den ersten Szenen noch ein wenig skurril anmutet und der lakonisch-heitere Ton eine ironische Komödie vermuten lässt, so erweist sich "Sture Böcke" nach und nach zwar nicht als humorloses, aber als durchaus ernsthaftes Werk. Die unbeteiligte, karge Schönheit der isländischen Landschaft, die zu Beginn noch als stoischer Gegenpol zum ulkigen Treiben der eigenbrötlerischen Protagonisten dient, wandelt sich dabei mit voranschreitender Laufzeit zu einem Spiegel für die existenziellen Nöte, denen sich Gummi und Kiddi schließlich stellen müssen.

Vor allem Sigurður Sigurjónsson in der Rolle des zurückhaltenden Gummi gelingt es dabei, die Menschlichkeit und Tragik seiner Figur mit wenigen Gesten und Blicken erfahrbar zu machen. Ohne Pathos und melodramatische Knalleffekte erzählt Hákonarson von diesem Schafzüchter in einer ausweglosen Lage und erzielt gerade durch seine Zurückhaltung Glaubwürdigkeit und eine große emotionale Kraft.

Fazit: Grímur Hákonarsons Spielfilm, der als skurrile Komödie beginnt, erweist sich bald als ernstes Drama. Seine Kraft und Glaubwürdigkeit erhält die Geschichte vor allem durch die mit Bedacht eingesetzten filmischen Mittel, großartige Landschaftsaufnahmen sowie das einnehmende Spiel des Hauptdarstellers Sigurður Sigurjónsson.




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