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Die Stadt als Beute
Die Stadt als Beute
© Salzgeber & Co

Kritik: Die Stadt als Beute (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Rund vier Jahre lang begleitete er die Akteure bei ihrem Bewerben, Bieten und Buhlen um den begehrten Wohnraum: Mieter, Eigentümer, Makler, Kaufinteressenten, Investoren. Die Dokumentation "Die Stadt als Beute" kann daher als echtes Langzeitprojekt angesehen werden. Der Film feierte 2016 auf dem Max-Ophüls-Festival seine Premiere. Für ihn begab sich Wilcke in unzählige Ecken und Winkel sowie in viele Bezirke der Stadt, um den Wandel auf dem Berliner Immobilienmarkt einzufangen – mit seiner Kamera, stets ganz dicht bei den Beteiligten.

Wilcke ist hier stets nur stiller Beobachter und lässt alles geschehen sowie seinen (unverstellten) Gang gehen, ohne aktiv oder bewusst in die Vorgänge einzugreifen. Zu jeder Zeit ist er dabei ganz eng bei seinen Protagonisten sowie bei den Verhandlungen oder Gesprächen anwesend. Er z.B. dabei, wenn sich ein alteingesessener Berliner Makler – ausgestattet mit waschechter Berliner "Schnauze" – mit einem ausländischen Interessenten in einem Café über die Vorzüge der Stadt unterhält. Berlin sei mittlerweile das, was London 1968/69 war, meint der Makler. Später, auf dem Weg zur Besichtigung, ist der Interessent sichtlich angetan von der andauernden Bewegung und der allgemeinen Stimmung in der Stadt. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie man hier als junger Mensch Abends ein Bier trinkt und seinen Spaß hat", meint er. Darauf der Makler: "Das würde ich auch tun, wäre ich 40 Jahre jünger." Lautes Gelächter.

Diese intimen, authentischen und ungefilterten Gespräche sind es, die einen großen Reiz ausmachen. Es ist ein intimer Blick hinter die Kulissen des heiß umkämpften Marktes, in dem schnell eins klar wird: Geld spielt für die Interessanten keine Rolle – zum Leidwesen der langjährigen, oft sozial schwachen Mieter, denen nicht mehr viel bleibt, als sich langfristig an die Ränder der Stadt drängen zu lassen. Für sie spielt Geld sehr wohl eine Rolle, eine gewichtige sogar. Wilcke spricht auch mit ihnen, begleitet sie bei Behördengängen, zeigt Szenen von protestierenden Bewohnern oder auch Bürger bei Fragestunden mit Politikern. Dazwischen montiert er Sequenzen und Szenen von Bauarbeiten, Sanierungen und eines gewaltig gegen die Wände eines Altbaus ratternden Vorschlaghammers.

Dies alles macht klar: Berlin ist im Umbruch, es tut sich etwas, scheinbar überall, jederzeit. In einigen Jahren – so Experten – wird Berlin nicht wiederzuerkennen sein. Dies ist auch die Ansicht einer im Film auftretenden Millionenerbin, die auch in der Stadt investieren will, und für die Berlin bald in altem Glanz erstrahlen wird. Sie sagt: "Berlin wird die neue Hauptstadt der westlichen Welt." Der Film lässt all dies unkommentiert, der Zuschauer muss sich seine eigene Meinung bilden. Als neutrales, hochinformatives Abbild der aktuellen Immobilienmarktsituation funktioniert der Film daher ganz ausgezeichnet.

Fazit: Ohne Off-Kommentierung und ohne ein abschließendes Urteil macht die erhellende Langzeit-Doku "Die Stadt als Beute – im Zeitraffermodus – den erstaunlichen Wandel Berlins zum gefragten "place to be", für den Zuschauer greif- und erfahrbar.





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