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Kritik: You & I (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"You and I" ist das Spielfilmdebüt von Nils Bökamp, der bisher vor allem als Produzent und Autor für Kino- und TV-Dokumentationen ("Traumfabrik Kabul", "The Moscow Mutiny") tätig war. Für sein schwüles Sommer-Freundschafts-Liebes-Drama wählte er als Drehort den am dünnsten besiedelten Landkreis Deutschlands: die Uckermark, im nordöstlichen Teil der Mark Brandenburg, nicht einmal 100 km von Berlin entfernt und in unmittelbarer Nähe zu Polen. Die idyllisch-romantische Natur der Uckermark mit ihren unzähligen, verträumten Seen und Fließgewässern, den epischen Landstrichen und endlosen Wiesen ist eine Art eigener Hauptdarsteller im Film, der viel zur erotischen, sommerlich-warmen Stimmung und Atmosphäre beiträgt.

Erotische, zumindest aber hochemotionale Spannungen liegen eigentlich schon die ganze Zeit in der Luft, selbst als Jonas seinen Freund Phillip vom Flughafen abholt, um mit ihm die Reise für sein Fotoprojekt in eine der schönsten Naturgebiete Deutschlands anzutreten. Aber die Beiden sind nur Freunde, teilten sich sogar eine gemeinsame WG in London. Für Jonas war die offen gelebte und kommunizierte Homosexualität von Philip nie ein Problem, im Gegenteil: er geht locker und entspannt damit um, genauso wie es der gesamte Film tut. Der Film sieht Homosexualität und homosexuelle Neigungen bzw. sexuelle Spannungen als völlig normal an, stellt sie nicht in Frage. Das erkennt man auch daran, dass es in diesem Film eben nicht um die oft klassische Themen im Queer-Kino - Coming-Out, Selbstfindung oder unterdrückte Gefühle - geht.

Zu einem Chaos der Gefühle kommt es, als die beiden Freunde den attraktiven polnischen Tramper Boris mit auf die Tour nehmen. Es sind Momente knisterender Erotik, aufgewühlter Emotionen und intensiver Irritationen, wenn die drei etwa gemeinsam in der Sauna schwitzen, in einem der vielen Seen der Uckermark baden oder sich auf einem Steg in der Mittagshitze sonnen. Boris macht Philip bald schöne Augen und Jonas muss sich bald fragen: empfindet er nicht vielleicht doch mehr für seinen Kumpel und überhaupt: wo fängt Liebe an und hört Freundschaft auf? Diese Frage stellt der Film in den Mittelpunkt und es ist die Aufgabe von Jonas, dies herauszufinden. Der Film wurde zu großten Teilen improvisiert, was für die ungezwungen-ungekünstelte Stimmung und die hohe Authentizität in Story, Handlung und Dialogen verantwortlich ist. Zudem sorgt der Film mit seinen sommerlichen, hellen Bildern und den schönen, prächtigen Landschaftsaufnahmen für wolkenlose, angenehm-entspannte Urlaubsstimmung und Ferien-Feeling im beginnenden deutschen Kino-Herbst.

Fazit: Sommerlich-schwüles, atmosphärisches Drama über Liebe und Freundschaft mit herausragenden Landschafts- und Naturimpressionen.




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