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FBW-Bewertung: Ein ganzes halbes Jahr (2015)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Mit EIN GANZES HALBES JAHR feierte Jojo Moyes 2012 ihren Durchbruch als Schriftstellerin, 2013 erschien die deutscheÜbersetzung des Bestsellers. Auf den ersten Blick könnte er auch die französische Komödie ZIEMLICH BESTE FREUNDE inspiriert haben. Doch der kam zeitgleich heraus, die wahre Begebenheit hinter diesem Welterfolg dürfte eher Stichwortgeberin die Autorin gewesen sein. Sie weitet das Sujet des Lebens mit einer Behinderung zudem um das brisante Thema Sterbehilfe aus, dem sich Filmemacher europaweit in berührenden Geschichten wie HIN UND WEG sowie UND MORGEN MITTAG BIN ICH TOT oder den dänischen Filmen IN DEINEN ARMEN und SILENT HEART stellen.

Die Autorin war selbst an der Adaption des Drehbuchs beteiligt. Nicht nur die Fans ihrer Romanzen voller großer Gefühle kommen voll auf ihre Kosten. EIN GANZES HALBES JAHR erzählt eine melodramatische Freundschafts- und Liebesgeschichte über alle Klassen- und Gesellschaftsschranken hinweg als charmantes Feel-Good-Movie mit Aschenputtel-Anlehnungen, das die Herzen der Zuschauer verzaubert.

Louisa Clark ist verzweifelt auf Jobsuche, damit sich ihre Familie nach dem Jobverlust ihres Vaters materiellüber Wasser halten kann. Die Arbeitsagentur vermittelt ihr die Stelle als Haushaltshilfe für den querschnittsgelähmten William Traynor. Nach dem Unfall haben seine vermögenden Eltern keine Kosten gescheut, um einen Teil des weitläufigen Anwesens für ihn umbauen zu lassen. Auch wenn dafür manches Klischee bedient wird, schaffen es Kostüm, Ausstattung und Locations mit präzis ausgesuchten Details, die Unterschiede in den Lebenswelten der beiden herauszuarbeiten. Tief in seinem Innern hat William mit seinem Leben abgeschlossen, er trauert dem Sport und seiner großen Liebe nach. Emotional hat er sich daher abgeschottet, was Sam Claflin überzeugend spielt. Doch auch er kann sich nicht dem Charme der unverkrampften und natürlichen Louise entziehen, die mit ihrem schrägen Modegeschmack in der englischen Provinz für Aufsehen sorgt.

Als sich die beiden gefühlsmäßig näher kommen, muss sich Louise der Tatsache stellen, dass Williams Termin in einer Sterbehilfeklinik in der Schweiz näher rückt. Überraschende Wendungen bleiben - so ja auch die stille Verabredung zwischen Filmemacher und Zuschauer - aus. Zum Stil britischer bittersüßer Romanzen passt jedoch, dass ein kitschiges Happy End ausgespart bleibt.

Emily Clarke und Sam Claflin haben das Charisma und die Ausstrahlung, um zum neuen Traumpaar romantischer Komödien zu avancieren. Das Abgleiten in eine überzuckerte Gefühlsduselei verhindern die Nebenfiguren wie Louisas bodenständige Eltern oder ihr verkniffener Freund, die alle wie liebenswürdige Nachbarn rüberkommen und doch ein wenig over the top gezeichnet sind.

Leider jedoch kann die deutsche Synchronisation nach Ansicht der Jury nicht immer mit der Qualität des Films mithalten.




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