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Francofonia (2015)

Alexander Sokurovs Essayfilm über Kunst und Krieg am Beispiel des Pariser Louvre.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Das meistbesuchte Museum der Welt, der Pariser Louvre, hatte den Großteil seiner Kunstschätze evakuiert, bevor die Nazis 1940 in die französische Hauptstadt einmarschierten. Franziskus Graf Wolff-Metternich, der Leiter der Wehrmachtsabteilung "Kunstschutz", wurde zuständig für den Louvre. Dem Museumsdirektor Jacques Jaujard blieb nichts anderes übrig, als mit Metternich zu kooperieren. Der Louvre wurde teilweise wiedereröffnet und die deutschen Soldaten gingen dort ein und aus. Metternich lag das Wohl der Kunstwerke so sehr am Herzen, dass er ranghöhere Nazis verärgerte, die berühmte Objekte konfiszieren wollten.

In einem Gedankenspiel konfrontiert Sokurov die beiden historischen Figuren Metternich und Jaujard mit einem Blick in ihre eigene Zukunft. Auch lässt er die französische Symbolfigur Marianne als lebendigen Geist durch den Louvre wandern, wo ihr gelegentlich Napoleon begegnet. Der Feldherr rühmt sich, wie viele der antiken Ausstellungsobjekte das Museum seinen Kriegs- und Beutezügen zu verdanken hat. Zwischendurch nimmt Sokurov die Verbindung mit dem fiktiven Kapitän eines Schiffs auf, das mit seinem Transport wertvoller Museumsobjekte in Seenot gerät.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der Film des russischen Regisseurs Alexander Sokurov ("Faust") ist ein originell visualisiertes Gedankenspiel, das seinen eigenen verschlungenen Wegen folgt, anstatt sich einer konventionellen dramaturgischen Struktur zu unterwerfen. Der Autor führt in einem reichen Off-Kommentar einen Dialog mit den Ereignissen im Bild. Rund um das Schicksal des Louvre während der Zeit der deutschen Besatzung spinnt er seine Assoziationen über den Krieg, die Kunst und die Werte fort, denen die Menschheit anhängt.

Sokurovs Gedanken mäandern frei zwischen den Zeiten und geografischen Räumen. Das Schiff, das mit seiner wertvollen Kunst-Fracht in Seenot gerät, führt den Autor zu der Frage, wie viele der antiken Kunstschätze, die von der Sammelleidenschaft gepackte europäische Herrscher einst aus fernen Ländern herbeischaffen ließen, wohl auf dem Grund der Meere liegen. Er sinniert darüber nach, dass Paris als Stadt der Kunst von Bombardierungen verschont blieb und warum die Nazis so viel zerstörerischer mit der Bevölkerung von Sankt Petersburg – dem damaligen Leningrad - umgingen. Wie wichtig ist die Porträtmalerei für die europäische Kultur, wie viel Geschichte konservieren die Statue der Nike von Samothrake oder die ägyptischen Mumien und ihre Sarkophage, die der Louvre besitzt? Und wenn die Vergangenheit aus den Kunstwerken zu uns spricht, was antworten wir? Der zum Leben erwachte Geist der Marianne, selbst einem Gemälde entsprungen, sagt immer nur "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", während sich Napoleon vor allem selbst wiedererkennt – als Porträtierter oder als Beschaffer. Und dann sitzen beide vor dem Bild der Mona Lisa. Kunst, so scheint es die Meditation Sokurovs nahezulegen, dient den Menschen als Vergewisserung, dass ihre Hoffnungen und Träume die Zeiten, die Kriege, die individuellen Egoismen überdauern werden. Sie bildet eine Brücke zwischen den vergangenen und künftigen Welten, die der Allgemeinheit gehört.

Visuell ist der Film eine eigenwillige Collage aus verschiedenen Bildformaten, gelbstichigen alten Aufnahmen, Stippvisiten im Louvre, Rundblicken über die Dächer der Stadt, Reenactment-Passagen und anderen Spielszenen. Das alles wird mit viel Musik untermalt. Sokurovs filmischer Philosophie-Ausflug fügt geschichtliche Fakten in Zusammenhänge, wie sie beim privaten Nachdenken, beim Diskutieren im kleinen Kreis entstehen. Aber gerade diese Mischung aus historischen Fundstücken und individueller Originalität inspiriert den Zuschauer zu eigenen Betrachtungen.

Fazit: Der russische Filmemacher Alexander Sokurov unternimmt eine eigenwillige Gedankenreise in die Geschichte des Pariser Kunstmuseums Louvre, besonders zum Thema, wie seine Schätze den Zweiten Weltkrieg überdauerten. Die Kombination historischer Fakten mit spielerisch-fantasievollen Überlegungen entwickelt eine spannende Dynamik, die sich in visuellem Ideenreichtum niederschlägt und inspirierend wirkt.




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Land: Frankreich, Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation
Länge: 87 Minuten
Kinostart: 03.03.2016
Regie: Aleksandr Sokurov
Darsteller: Louis-Do de Lencquesaing als Jacques Jaujard, Benjamin Utzerath, Vincent Nemeth als Napoléon Bonaparte
Verleih: Piffl Medien

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