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Kritik: Blacktape (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Hip-Hop-Filme wie z.B. "Straight outta Compton" waren in jüngster Zeit ebenso stark angesagt wie das Genre der Mockumentaries, in denen scheinbar reale, tatsächlich existierende Vorkommnisse oder Ereignisse aus der Vergangenheit realistisch inszeniert oder tatsächliche dokumentarische Elemente in eine erfundene Rahmenhandlung eingebettet werden. Genau das macht "Blacktape", der reale Personen aus der Geschichte des deutschen Rap zu Wort kommen und die Entwicklung des Hip-Hops in Deutschland nacherzählen lässt. Aufhänger für die Reise der drei unterschiedlichen Protagonisten ist dabei aber die fiktive Geschichte um die Rap-Legende Tigon. Hier erinnert der Film immer wieder an die herausragende Doku-Parodie "Fraktus", die ganz ähnlich gelagert ist und eine erfundene Elektropop-Band als Ursprungsmythos einer ganzen Musikrichtung glaubhaft und authentisch verkauft. Ebenso wie es "Blacktape" nun mit Tigon macht.

In beiden Filmen kommen die bekanntesten und profiliertesten Gesichter der jeweligen Genres ausgiebig zu Wort, was dafür sorgt, dass man immer mehr ins Zweifeln gerät, ob an der Geschichte nicht doch etwas dran ist. Im Fall von "Blacktape" sind das u.a. Fünf Sterne Deluxe, Thomas D, Max Herre, Haftbefehl, Marteria, Afrob, Eko Fresh, Samy Deluxe oder auch Joy Denalane. Hier haben sich die Macher nicht lumpen lassen und versammeln das Who-is-Who der deutschen Rap-Geschichte vor der Kamera. Alle Interviewten geben ihre Einschätzungen zur über die Jahre stattfindenden Entwicklung des Genres wieder und was ihnen die Rap-Kultur ganz persönlich gegeben hat. Hier wiederholen sich die Ausführungen der Befragten aber leider immer ein wenig und man bekommt doch recht häufig nur allseits bekannte Allgemeinplätze und leere Phrasen über die Musik zu hören, "die uns unsere Sprache zurückgegeben hat" und dass der Hip-Hop die passende Ausdrucksform für eine verlorene Jugend gewesen sei.

Die Wahl und die Mischung der drei Spürnasen, die sich auf die spannende Suche nach Tigon begeben, ist hingegen sehr gut gewählt. Da ist der ehemalige Labelbesitzer und Webbereiter des Berliner Rap, Marcus Staiger, der ehemalige Viva 2-Moderator und Musiker Falk Schacht und schließlich Sékou Neblett, der als Mitbegründer von Freundeskreis wie kein Zweiter die Welt dieser Musik und die Mechanismen dahinter kennt. Die Harmonie zwischen den Beteiligten stimmt, auch sorgen die immer wieder aufkommenden, kleineren (und nicht ganz ernst zunehmenden) Reibereien vor allem zwischen Staiger und Schacht immer wieder auch für Lacher.

Jedoch verlieren die Macher des Films aufgrund der eingeflochtenen Story um das große, unbekannte Genie und den Freigeist Tigon, den eigentlichen Kern des Films und seine Hauptziele immer wieder kurz aus den Augen. Andere wiederum werden gerade dieses Element des Films schätzen, letztlich bleibt die Verbindung aus Fiktion und Doku aber wie so oft einfach Geschmackssache. Im Falle von "Blacktape" ist sie zumindest solide und sehenswert umgesetzt.

Fazit: Sympathische und unterhaltsame Mischung aus Fiktion und Dokumentation, die die Geschichte und Entwicklung des deutschen Raps ergründet und viele bekannte Gesichter zu Wort kommen lässt, deren Aussagen jedoch oft ohne erhellenden Erkenntnisgewinn bleiben.





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