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Nur wir drei gemeinsam
Nur wir drei gemeinsam
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Kritik: Nur wir drei gemeinsam (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Nur wir drei gemeinsam" widmet sich der Stand-up-Comedian Kheiron voller Hingabe der Biografie seiner Eltern. Er debütiert sowohl als Drehbuchautor als auch als Regisseur und spielt überdies die männliche Hauptrolle: seinen eigenen Vater Hibat Tabib. In allen drei Bereichen schlägt er sich hervorragend. Dem Skript gelingt es, der Komplexität der politischen Verhältnisse im Iran der 1970er Jahre gerecht zu werden und doch im Kern eine individuelle Familiengeschichte zu erzählen; auf inszenatorischer Ebene schafft es Kheiron, die Balance zwischen Witz und Ernst zu halten – und in seiner intensiven Performance zeigt er seinen Vater Hibat als couragierten, charakterstarken Mann mit feinem Sinn für Humor.

Kheiron spart den körperlichen und seelischen Schmerz auf dem Lebensweg seiner Angehörigen in der filmischen Präsentation nicht aus. Aber gemäß seiner Auffassung, dass "das Lachen für uns Menschen ein Mittel der Selbstverteidigung" ist, lässt er die Komik auch in der Finsternis aufblitzen. Dies führt niemals zu einer Verharmlosung der Lage, sondern macht begreifbar, wie die handelnden Personen das Leid und die Angst zu ertragen versuchen. Das Werk demonstriert die Kraft des Widerstandes und der Liebe und kann als leidenschaftliches Plädoyer für Humanität bezeichnet werden; es kommt allerdings ohne Pathos aus, wirkt vielmehr zutiefst aufrichtig und sympathisch. Die Szenen im Pariser Vorort Pierrefitte-sur-Seine – dem "sozialen Brennpunkt", in dem Hibat mit seiner Frau Fereshteh und dem gemeinsamen Sohn nach der Flucht aus dem Iran und dem Aufenthalt in der Türkei landet – unterhalten mit originell gestalteten Details, wenn die Neuankömmlinge zum Beispiel zunächst nur "Blablabla" verstehen oder in einer Sozialstation für Geflüchtete und Migrant_innen, in der sie aktiv werden, mit breit gefächerten Problemen konfrontiert werden.

Neben Kheiron brilliert Leïla Bekhti mit einer rundum überzeugenden Verkörperung der selbstbewussten Fereshteh: Die Schauspielerin, die bereits in Philippe Claudels "Bevor der Winter kommt" an der Seite von Daniel Auteuil zu beeindrucken wusste, steht ihrem Co-Star in puncto Timing fürs Komische in nichts nach und interpretiert die Rolle mit Verve. Die Chemie zwischen dem Paar stimmt. Obendrein sind Gérard Darmon und Zabou Breitman als Fereshtehs Eltern wahrlich hinreißend: Die Passage, in welcher Hibat bei Fereshtehs Vater um die Hand von dessen Tochter anhält, gehört fraglos zu den lustigsten; zu den ergreifendsten Momenten zählt indes ein wortloses Telefonat, das Fereshteh und ihr Vater führen, nachdem der Kleinfamilie die Flucht in die Türkei geglückt ist.

Fazit: Ein wunderschöner Film, der sein Publikum zum Lachen und Weinen bringt und zugleich auf kluge Weise einen zeitgeschichtlichen Einblick gewährt. Mit seiner Integrationsthematik kommt "Nur wir drei gemeinsam" zudem genau zur richtigen Zeit.





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