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FBW-Bewertung: Remember - Vergiss nicht, dich zu erinnern (2015)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Von einer späten Rache unter erschwerten Bedingungen erzählt Atom Egoyan in seinem neuen Film REMEMBER, der auf verschiedenen Ebenen das Vergessen und das Erinnern verhandelt: Zev Guttmann leider unter Demenz. Nach dem Tod seiner Frau fragt er beständig immer wieder nach deren Verbleib und muss immer wiedererfahren, dass diese vor kurzem gestorben ist. Doch sie hat ihm eine Aufgabe hinterlassen: Er soll, so berichtet ihm sein Freund und Altersheim-Wohngenosse Max, jenen Mann aufspüren, der Max? und Zevs Familie in Auschwitz ermordete. Vier Männer sind es, die dafür in Frage kommen und trotz seiner Erkrankung gelingt es Zev, nacheinander alle Kandidaten aufzuspüren - doch am Ende wartet eine unvermutete Wendung auf ihn.

Ein Detektiv mit Demenz, das sieht man wahrlich nicht alle Tage, gilt doch ein scharfer Verstand als unerlässliche Vorbedingung für eine erfolgreiche Verbrecherjagd. Das Experiment aber, das Atom Egoyan hier mit seinem Protagonisten vollführt, gelingt teilweise: Wer sich ein klein wenig mit dem Krankheitsverlauf einer Demenz auskennt, zweifelt möglicherweise daran, dass Zev diese Reise wirklich so ausführen kann, wie es gezeigt wird. So kann der Verdacht entstehen, dass die behauptete und von Christopher Plummer im Rahmen der Drehbuchvorgaben gut umgesetzte Erkrankung vor allem als Vehikel für Drehbuchvolten und einen finalen Twist dient, die man sonst eventuell nicht akzeptiert hätte. Zudem wird im Lauf des Films schnell klar, dass Zev natürlich alle vier Kandidaten wird abklappern müssen, um am Ende der Wahrheit (auch über sich selbst) nahe zu kommen. Dies nimmt dem Thriller nach Ansicht der Jury einiges von seiner Spannung.

Hinzu kommen teilweise recht simple Figurenzeichnungen: Da ist beispielsweise der Sohn eines vor kurzem verstorbenen Verdächtigen, der selbst als lupenreiner Neonazi durchgehen könnte: Die Devotionalien des Dritten Reichs liegen griffbereit, so dass Zev sich bereits am Ziel wähnt, im Hintergrund bellt der Deutsche Schäferhund namens Eva und der Mann ist als State Trooper beschäftigt. In seinem Willen, ein gut konstruiertes Drehbuch vorzulegen, verheddert sich Egoyan an manchen Stellen in Unglaubwürdigkeiten und Widersprüche

Dennoch versteht Egoyan natürlich nach wie vor sein Handwerk bestens: Die Maskenbildner leisten ganze Arbeit, die Kamera und der Schnitt machen das Beste aus der Vorlage, so dass REMEMBER auf angenehm zurückhaltende Weise unterhält und zum Nachdenken über Erinnern und Vergessen anregt. Auf diese Weise markiert REMEMBER einen interessanten Ansatz, der aber nach Ansicht der Jury vielleicht nicht ganz das einhält, was er verspricht.




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