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Mein Praktikum in Kanada (2015)

Guibord s'en va-t-en guerre

Frankokanadische Politsatire über einen Abgeordneten in Quebec, der mit Hilfe seines haitianischen Praktikanten Karriere macht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Steve Guibord (Patrick Huard) ist fraktionsloser Abgeordneter im kanadischen Parlament. Sein Büro im Norden der Provinz Quebec liegt hinter einem Dessousladen. Aber sein Wahlkreis ist riesig, nämlich dreimal so groß wie Haiti, wie Guibords Praktikant Souverain Pascal (Irdens Exantus) aus Port-au-Prince begeistert auf Skype nach Hause berichtet. Wenn Guibord mit dem hochmotivierten Demokratie-Fan Souverain über Land fährt, erwarten ihn nichts als Kleinkram und Ärger. Aus Protest gegen die Waldrodungen einer Bergbaugesellschaft blockieren ein paar Algonkin-Indianer die Landstraße. Guibord muss sich davor hüten, ihnen recht zu geben, denn die mächtige Gewerkschaft der Trucker ist auch vor Ort und vertritt die Gegenposition.

Plötzlich wird Guibord im ganzen Land bekannt: Der Premierminister lässt im Parlament über einen militärischen Einsatz im Nahen Osten abstimmen und weil sich eine Abgeordnete der Regierungspartei der Stimme enthält, wird Guibords Votum den Ausschlag geben. Er hält, wie ihm der Praktikant empfiehlt, Bürgerversammlungen ab, um das Volk zu befragen. Das führt zu nervigen Debatten, aber Souverain erkennt, dass Guibord zu Höherem bestimmt ist.

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Es gibt kein besseres politisches System als die Demokratie, aber in der Praxis beschert sie einem redlichen Parlamentarier oft nur Mühsal und Frust. Da muss schon ein jungdynamischer Politikinteressent aus Haiti nach Kanada kommen, um den ratlosen Volksvertretern ein wenig Idealismus à la Rousseau beizubringen. Das ereignisreiche Praktikum von Souverain Pascal im Norden Quebecs gerät zur satirischen Lehrstunde über Interessenkonflikte und die Kunst des Sich-Arrangierens. Der frankokanadische Regisseur Philippe Falardeau ("Monsieur Lazhar") überrascht mit einer einfallsreichen, gut aufgelegten Geschichte, die er mit viel trockenem Humor serviert.

Guibord ist eigentlich viel zu gutmütig und lösungsorientiert, um sich für Parteipolitik zu eignen. Aus diesem Grund schied er aus der Fraktion der Liberalen aus. Dennoch bemüht er sich, für die Menschen in seinem Wahlkreis einzustehen. Um zur Regierung nach Ottawa zu gelangen, muss er viele Stunden mit dem Auto fahren. Das ist der zweite Aspekt, der Guibords Abenteuer wie hartnäckig klebendes Kaugummi begleitet: Der Mann hat etwas von einem Loser, oder wie soll man jemanden bezeichnen, der in einem Flächenstaat wie Kanada aus Angst in kein Flugzeug steigt? Die Inszenierung spielt gerne mit Slapstick und physischer Comedy, zum Beispiel in der herrlichen Szene, wenn Guibord im Haus des Premiers sitzt und mit krümeligem Gebäck kämpft.

Patrick Huard, bekannt aus "Starbuck", und Irdens Exantus als Haitianer, der von der Demokratie in den höchsten Tönen schwärmt, bilden ein gut funktionierendes komödiantisches Gespann. Denn der Lehrling wird oft genug zum passionierten Mentor, der nicht nur gegenüber dem lokalen Bürgermeister einen soliden Bildungsvorsprung hat. Ein besonders gelungener Einfall ist Souverains regelmäßiger Vortrag per Skype, in dem er seinen Leuten daheim Demokratie-Unterricht am praktischen Beispiel erteilt. Seine Interpretationen sind so luzide wie satirisch entlarvend und Guibord avanciert in Port-au-Prince zum Helden.

Warum funktioniert das mit der praktischen Demokratie nicht besser? Warum versuchen die Menschen, Guibord mit ihren Spezialinteressen auszubremsen? Eine eigene Meinung zu vertreten, ist gefährlich, wenn schon die Ehefrau und die Tochter nicht auf einer Linie liegen. So absolviert Guibord selbst einen amüsanten politischen Schnellkurs, bei dem es nicht um Erleuchtung geht. Obwohl der Film auch einige Längen hat, trägt ihn sein anfänglicher Schwung doch weit und neue Verwicklungen halten die Unterhaltung reizvoll am Köcheln.

Fazit: Die frankokanadische Komödie von Philippe Falardeau nimmt sich mit trockenem Humor und satirischem Biss der Frage an, warum die Demokratie aus der Sicht eines Wahlkreisabgeordneten so schwer zu praktizieren ist. Darauf findet sein theoretisch bewanderter Praktikant aus Haiti lustige Antworten mit Hintersinn. Die geistreichen Einfälle und der ketzerische Tonfall heben den Gute-Laune-Film über den Durchschnitt hinaus.




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Land: Kanada
Jahr: 2015
Genre: Komödie
Länge: 108 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 26.05.2016
Regie: Philippe Falardeau
Darsteller: Patrick Huard als Steve Guibord, Suzanne Clément als Suzanne, Irdens Exantus
Verleih: Arsenal

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