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Chuck Norris und der Kommunismus
Chuck Norris und der Kommunismus
© Rise and Shine Cinema

Chuck Norris und der Kommunismus (2015)

Chuck Norris vs Communism

Ilinca Calugareanus Dokumentarfilm beleuchtet die rumänische Videokultur unter der Diktatur Ceaușescus.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Das Anschauen von "Dirty Dancing", "Pretty Woman" oder der "Rambo"-Reihe dürfte den meisten Zuschauern wohl nicht als subversiver Akt gelten. Im Rumänien der 1980er Jahre waren private Videoabende, bei denen Spielfilme aus dem imperialistischen Ausland gezeigt wurden, jedoch eine große Provokation für das kommunistische Regime. Das Fernsehprogramm wurde zu dieser Zeit stark eingeschränkt und bestand ausschließlich aus Propaganda und der Verherrlichung des neostalinistischen Diktators Nicolae Ceaușescu. Trotz einer umfassender Zensur entwickelte sich jedoch eine lebhafte Videokultur: Aktuelle Produktionen wurden aus dem Ausland nach Rumänien geschmuggelt, innerhalb weniger Stunden synchronisiert und kopiert und anschließend auf dem Schwarzmarkt verkauft. Ganze Nachbarschaften kamen in ihren Wohnzimmern zusammen, um sich gemeinsam die neuesten Streifen mit Chuck Norris und Sylvester Stallone, aber auch "Der letzte Tango in Paris" oder "9½ Wochen" anzuschauen. Selbst die Angst vor dem Geheimdienst konnte die Menschen nicht daran hindern, mit Hilfe der Filme ihrem Alltag zu entkommen und von einem anderen Leben zu träumen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

Die Ausgangslage von Ilinca Calugareanus "Chuck Norris und der Kommunismus" ist durchaus vielversprechend: Die Filmemacherin wirft in ihrem Dokumentarfilm nämlich nicht nur die Frage auf, wie popkulturelle Massenprodukte in unterschiedlichen politischen Kontexten wirken können, sondern bemüht sich zugleich, den Pionieren der rumänischen Videokultur ein Denkmal zu setzen, indem sie diesen ihren ganz eigenen Thriller widmet.

In der Ausführung jedoch kommt der Film schnell an seine Grenzen und schließlich zum Stillstand. Der in London lebenden Regisseurin rumänischer Herkunft gelingt es nicht, in die Tiefe zu dringen und die Komplexität ihres Themas auszuloten. Die persönliche Bedeutung der illegalen Videoabende für die Protagonisten wird zwar deutlich, wenn sie in Interviews noch einmal ausführlich von den US-amerikanischen Actionhelden und dem prägenden Eindruck, den sie hinterlassen haben, schwärmen dürfen. Wie das Private allerdings mit dem Politischen verknüpft ist, bleibt oft schleierhaft und nimmt spätestens zum Finale hin fragwürdige Dimensionen an: Vom Videoabend auf dem heimischen Sofa stürzt der Film abrupt zur Revolution auf die Straßen Bukarests und scheint so vereinfacht nahezulegen, dass der Sturz Ceaușescus den Videofans zu verdanken sei.

Wie es zum politischen Umsturz kommen konnte und was die rumänische Gesellschaft zur damaligen Zeit abseits der Lust am Kino ausmachte, blendet die Dokumentation zugunsten durchaus amüsanter und auch faszinierender Anekdoten aus. Vor allem die Rolle der Übersetzerin und Synchronsprecherin Irina Nistor, die alleine mehr als 3.000 Spielfilme eingesprochen hat und beinahe als Nationalheilige verehrt wird, setzt die Regisseurin prominent in Szene. Bedauerlicherweise erweist sich der Krimi, den Calugaeanus episodenhaft um Nistor inszeniert als recht spannungsarm.

Aus Reenactments, Talking-Head-Szenen und Ausschnitten aus Filmklassikern entsteht in "Chuck Norris und der Kommunismus" ein engmaschiges Netz, das weder den einzelnen inszenatorischen Mitteln noch alternativen Lesarten genügend Raum zur Entfaltung lässt. Stattdessen verdichten sich Sprache, Bilder und Soundtrack zu einem viel zu simplen und letztlich undurchdringlichen Porträt der rumänischen Videokultur. Die Montage arbeitet hierbei rein illustrativ und vervielfacht lediglich die gleichen Aussagen immer und immer wieder bis zur Redundanz: Was der eine Zeitzeuge berichtet, wird vom nächsten bekräftigt und dann von Schauspielern noch einmal nachgespielt.

Fazit: Trotz vielversprechender Ansätze und einiger faszinierender Anekdoten, bleibt Ilinca Calugareanus Dokumentarfilm ein oberflächliches und stark vereinfachtes Porträt der rumänischen Videokultur. Die konventionelle Inszenierung bleibt zudem rein illustrativ und verliert sich in Redundanzen.




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Land: Großbritannien, Rumänien, Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Thriller, Komödie, Dokumentation
Länge: 81 Minuten
Kinostart: 12.11.2015
Regie: Ilinca Calugareanu
Darsteller: Irina Margareta Nistor, Ana Maria Moldovan, Dan Chiorean
Verleih: Rise and Shine Cinema

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