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Chuck Norris und der Kommunismus
Chuck Norris und der Kommunismus
© Rise and Shine Cinema

Kritik: Chuck Norris und der Kommunismus (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Ausgangslage von Ilinca Calugareanus "Chuck Norris und der Kommunismus" ist durchaus vielversprechend: Die Filmemacherin wirft in ihrem Dokumentarfilm nämlich nicht nur die Frage auf, wie popkulturelle Massenprodukte in unterschiedlichen politischen Kontexten wirken können, sondern bemüht sich zugleich, den Pionieren der rumänischen Videokultur ein Denkmal zu setzen, indem sie diesen ihren ganz eigenen Thriller widmet.

In der Ausführung jedoch kommt der Film schnell an seine Grenzen und schließlich zum Stillstand. Der in London lebenden Regisseurin rumänischer Herkunft gelingt es nicht, in die Tiefe zu dringen und die Komplexität ihres Themas auszuloten. Die persönliche Bedeutung der illegalen Videoabende für die Protagonisten wird zwar deutlich, wenn sie in Interviews noch einmal ausführlich von den US-amerikanischen Actionhelden und dem prägenden Eindruck, den sie hinterlassen haben, schwärmen dürfen. Wie das Private allerdings mit dem Politischen verknüpft ist, bleibt oft schleierhaft und nimmt spätestens zum Finale hin fragwürdige Dimensionen an: Vom Videoabend auf dem heimischen Sofa stürzt der Film abrupt zur Revolution auf die Straßen Bukarests und scheint so vereinfacht nahezulegen, dass der Sturz Ceaușescus den Videofans zu verdanken sei.

Wie es zum politischen Umsturz kommen konnte und was die rumänische Gesellschaft zur damaligen Zeit abseits der Lust am Kino ausmachte, blendet die Dokumentation zugunsten durchaus amüsanter und auch faszinierender Anekdoten aus. Vor allem die Rolle der Übersetzerin und Synchronsprecherin Irina Nistor, die alleine mehr als 3.000 Spielfilme eingesprochen hat und beinahe als Nationalheilige verehrt wird, setzt die Regisseurin prominent in Szene. Bedauerlicherweise erweist sich der Krimi, den Calugaeanus episodenhaft um Nistor inszeniert als recht spannungsarm.

Aus Reenactments, Talking-Head-Szenen und Ausschnitten aus Filmklassikern entsteht in "Chuck Norris und der Kommunismus" ein engmaschiges Netz, das weder den einzelnen inszenatorischen Mitteln noch alternativen Lesarten genügend Raum zur Entfaltung lässt. Stattdessen verdichten sich Sprache, Bilder und Soundtrack zu einem viel zu simplen und letztlich undurchdringlichen Porträt der rumänischen Videokultur. Die Montage arbeitet hierbei rein illustrativ und vervielfacht lediglich die gleichen Aussagen immer und immer wieder bis zur Redundanz: Was der eine Zeitzeuge berichtet, wird vom nächsten bekräftigt und dann von Schauspielern noch einmal nachgespielt.

Fazit: Trotz vielversprechender Ansätze und einiger faszinierender Anekdoten, bleibt Ilinca Calugareanus Dokumentarfilm ein oberflächliches und stark vereinfachtes Porträt der rumänischen Videokultur. Die konventionelle Inszenierung bleibt zudem rein illustrativ und verliert sich in Redundanzen.





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