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Ein Atem
Ein Atem
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Ein Atem (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Längst hat die Krise in Griechenland auch einen filmischen Widerhall gefunden, so beispielsweise in dem wütenden Drama "A Blast" (2015), das eine Welt zeigt, die aus den Fugen geraten ist. Interessant ist der Ansatz, den Christian Zübert in "Ein Atem" wählt, in dem die griechische Krise im wahrsten Sinne des Wortes nach Deutschland kommt - und dort ausgerechnet nach Frankfurt - dem Sitz der Europäischen Zentralbank. Die Lesart eines zu einer Parabel verdichteten Mikrokosmos allgemeiner, deutscher und griechischer Befindlichkeiten drängt sich in Zieglers gelungenem Drama immer wieder auf. Trotzdem sind die Protagonisten in diesem aufreibenden Film alles andere, als lediglich eine Funktion einnehmende Abziehbilder.

"Ein Atem" ist das Doppelbildnis zweier energischer Frauen, die beide das Gefühl haben von ihren hemdsärmeligen Partnern nicht richtig unterstützt zu werden und die Dinge deshalb in die eigenen Hände nehmen zu müssen. Der erste Teil ist deshalb mit "Elenas Reise" betitelt und zeigt den Weg der jungen Griechin nach Deutschland. Darauf folgt "Tessas Reise", bei der die Deutsche ebenfalls aufgrund einer Zwangslage in die umgekehrte Richtung reist. Doch die beiden Teile folgen nicht sauber chronologisch aufeinander, sondern überschneiden sich in der Mitte zeitlich.

Auf diese Weise zeigt "Ein Atem" das gleiche Geschehen einmal aus der Perspektive von Elena und einmal aus der von Tessa. Das fördert das Verständnis des Zuschauers für beide Charaktere, hat jedoch nur geringe Auswirkungen auf die Verteilung der Sympathien. "Ein Atem" präsentiert Deutschland als ein reiches, aber sehr kaltes, egoistisches und kleinherziges Land, während den Griechen im Film trotz aller widrigen Umstände nicht ihre Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Auf diese Weise wirft der Film einmal einen Blick auf die europäische Krise, der einen großen Abstand zu dem üblichen Geschrei der aktuellen Tagesnachrichten hat.

Fazit: "Ein Atem" ist ein aufwühlendes und aufreibendes Drama, das weit vom wohltemperierten Einerlei des üblichen deutschen Konsenskinos entfernt ist.




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