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Nur Fliegen ist schöner
Nur Fliegen ist schöner
© Prokino © 24 Bilder

Kritik: Nur Fliegen ist schöner (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Dieser herrliche, originelle Film, der das Etikett einer Wohlfühlkomödie wahrlich verdient, begleitet einen Mann auf eine träumerische Genussreise. Regisseur und Drehbuchautor Bruno Podalydès spielt die Hauptrolle des 50-jährigen Michel, der zu einer einwöchigen Flussfahrt mit dem Kajak aufbricht. Dass er noch nie in einem solchen Gefährt durchs Wasser paddelte, bekümmert Michel nicht, schließlich hat er sein Handy dabei und all die modernen Utensilien, die man bei einem Outdoor-Abenteuer brauchen könnte.

Am liebsten möchte Michel gar nicht mehr los, als endlich alles im Kajak verstaut ist. Denn nun erwischt ihn die Angst und seine Frau Rachelle, die ihm Halt gibt, muss er schweren Herzens am Ufer zurücklassen. Aber als er dann durchs Wasser gleitet, befindet er sich schon mitten in einer Traumlandschaft, die einer puren Wunschvorstellung gleicht: ein ruhiger, von Bäumen gesäumter Fluss, auf dessen Oberfläche goldenes Sonnenlicht spielt. Die nächste Etappe der Sinnlichkeit führt zu einem Landgasthof mit einer attraktiven Wirtin, wo es sich bei Speis und Trank sehr gut aushalten lässt. Immer gibt es dort etwas Interessantes zu sehen und zu hören, skurriles Personal, eine junge Frau mit Liebeskummer und einer Vorliebe für Flugzeuge. So führt der Film am Beispiel von Michel den mühelosen und frappierenden Beweis, dass der Mensch ein Leben lang an seinen Kindheitsträumen hängt – sei es das Fliegen mit einem Spielzeug in der Hand, oder eben Ferien wie bei den Großeltern im Garten. Weil aber Michel kein Kind mehr ist, steht ihm der Sinn auch nach Erotik – schließlich ist dies ein französischer Film. Und wo es das Paradies gibt, kann die Schlange nicht weit sein: Michel hat in seinem Zelt einen Albtraum, in dem ihm sein Unbewusstes eine Botschaft sendet, die er nicht begreifen will.

Im trägen Fluss der Zeit bilden sich ständig kleine Strudel, die aus Slapstickmomenten und skurrilen Vorfällen bestehen. Schon allein Michels Ausrüstung mit dem aufblasbaren Grill, der Lampe mit Handkurbel und der akustischen Mückenabwehr hat es in sich: Die Seitenhiebe auf modernen Ausstattungswahn und die Tücken der Technik ergeben einen reizvollen Kontrast zum leicht entrückten Geschehen. Genauso lustig aber sind die kleinen Merkwürdigkeiten, ungereimte Wortwechsel, sperrige Steinchen im Handlungsgetriebe, die aufhorchen lassen. Sie erschaffen eine lässige Atmosphäre, weil sie die Protagonisten dazu animieren, ihr interpretierendes geistiges Korsett aufzubrechen. Schöne Musik, von Bach bis zu französischen Chansons, komplettiert Michels Genussreise, die einen lächelnd aus dem Kino entlässt.

Fazit: Der Abenteuerurlaub eines Mannes mit dem Kajak wird zur sinnlich-genussvollen Landpartie. Weil sich der Protagonist von seinen Wunschträumen leiten lässt, entdeckt er eine Welt voller Freuden und skurriler Momente, die auch sein Pech im Umgang mit moderner Technik und Ausrüstung nicht eintrüben kann. Eine wahrlich inspirierte Wohlfühlkomödie, die überrascht und glücklich macht.





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